Die Innung der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger der Wirtschaftskammer Wien hat Euros im Wert von mehr als 16.000 S in Umlauf gebracht. Eine "ungute Aktion", kommentiert die Nationalbank.
WIEN (mk). Bei der Einführung des Euro-Bargelds gibt es genaue Pläne, wer wann die neue Währung bekommen darf: Derzeit erhalten Unternehmen Startpakete zu Schulungs- und Testzwecken, ab Mitte Dezember sollen Privatpersonen den Euro erstmals in die Geldtaschen stecken dürfen. Doch diese Pläne entfernen sich immer mehr von der Praxis. Nachdem bereits ein Wiener Internetprovider Centmünzen verschickt hat, wird nun auch die Wirtschaftskammer zum Euro-Sünder: Die Landesinnung Wien der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger hat gut 1200 Briefe verschickt, denen jeweils eine 1-Euro-Münze beigelegt ist. Die Nationalbank ist über die unerlaubte Geld-Verteilung alles andere als erfreut.
"Das stiftet nur Verwirrung und ist unnötig", argumentiert der Leiter der Abteilung Banknoten- und Münzenkasse der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Stefan Augustin. "Und es ist besonders unangenehm, wenn das von einem Teil der Wirtschaftskammer ausgeht." Von der Wertigkeit seien die verschickten Münzen zwar eine Kleinigkeit. "Aber es wirft ein schlechtes Bild auf österreichische Unternehmen, wenn diese nicht in der Lage sind, Vereinbarungen einzuhalten."
Die Banken und die Unternehmen, die schon jetzt Euros erhalten, haben sich vertraglich dazu verpflichtet, diese noch nicht in Umlauf zu bringen. Verletzen sie diese Vereinbarung, drohen ihnen der Ausschluß von der Vorverteilung und Geldstrafen. Die OeNB will den Vorfall nun untersuchen. Auch die Bawag hat dies vor - immerhin wurden die Münzen ja in Bawag-Täschchen verschickt. "Wir können mit Sicherheit sagen, daß die Innung die Münzen nicht direkt von uns erhalten hat. Daß sie in unseren Sackerln verschickt wurden, gefällt uns gar nicht", sagt Bawag-Sprecher Peter Nakowitz. Sollte sich herausstellen, daß das Unternehmen, das die Münzen der Innung zur Verfügung gestellt hat, ein Bawag-Kunde war, werde die Bank das Unternehmen zur Rechenschaft ziehen.
Davor hat Georg Lintner, Innungsgeschäftsführer der Denkmalreiniger aber keine Angst. "Das ist nicht so streng zu sehen", sagt Lintner. Immerhin habe man die Münze ja als Glücksbringer und nicht als Zahlungsmittel verschickt. Zudem habe auch der Präsident der OeNB, Adolf Wala, einen solchen Brief erhalten. "Unser Ladesinnungsmeister kennt ihn nämlich gut."