Geldfälscher haben in der heißen Phase der Bargeldumstellung Hochsaison.
WIEN. Als vor fünf Jahren der neue 100-Dollar-Schein in den USA ausgegeben wurde, tauchte nach bloß drei Stunden schon die erste falsche Banknote auf. Der Euro stellt für die Fälscher natürlich ebenfalls eine große Herausforderung dar. Schlechte Euro-Fälschungen - etwa mit dem Farbkopierer oder Scanner hergestellte "Blüten" - wird es relativ bald geben, meint Nationalbankdirektor Wolfgang Duchatczek im "Presse"-Gespräch. Derartige "Blüten" sind - wenn man sie nicht gerade zu vorgerückter Stunde in einer schummrigen Bar in die Finger bekommt - relativ leicht zu erkennen.
Wesentlich professioneller sind Druckfälschungen. Die ersten Euro-Exemplare davon werden einige Zeit auf sich warten lassen. "Ich erwarte Kopien bereits am 1. Jänner. Bis aber die ersten Qualitätsfälschungen auf den Markt kommen, werden vier bis sechs Monate vergehen," meint Stefan Augustin, Abteilungsleiter der Banknoten- und Münzkassa in der Notenbank.
Die sieben verschiedenen Euro-Banknoten, mit welchen wir ab 1. Jänner 2002 bezahlen werden, entsprechen den höchsten derzeit verfügbaren Sicherheitsstandards der Banknotendruck-Technik. Will man sie perfekt nachmachen, wird es sehr teuer. Jeder Schein trägt sichtbare Merkmale, die man im Gegenlicht erkennen kann, etwa das Wasserzeichen oder den Sicherheitsfaden.
Sehen, fühlen, kippen
Nimmt man den Schein zwischen die Finger, spürt man, daß die einzelnen Bildelemente darauf zu ertasten sind. Auch das aus reiner Baumwolle gefertigte Banknotenpapier fühlt sich anders an als "normales". Kippt man die Banknote, erscheint auf einem silbrigen Streifen das Euro-Symbol oder die Wertzahl der Banknote als Hologramm.
Die Experten raten, sich rechtzeitig mit den Sicherheitsmerkmalen der Euro-Scheine vertraut zu machen. Informationen darüber findet man in bei Banken aufliegenden Broschüren oder auf der Nationalbank-Homepage, die "Sehen, fühlen und kippen" als Devise ausgibt.
Relativ wenig hält Augustin von den diversen preiswerten Euro-Prüfgeräten, die derzeit angeboten werden. Sie können nur ein Hilfsmittel sein, aber keine 100prozentige Sicherheit bieten. Anders ist das mit UV- oder Infrarotlampen, die allerdings nicht für den privaten Gebrauch gedacht sind, sondern sich erst für größere Handelsketten rentieren. In den USA sind sie weit verbreitet. Das tut auch not: Die Dollarnoten haben weit schlechtere Sicherheitsstandards als die europäischen Geldscheine, der 100-Dollar-Schein ist daher die am meisten gefälschte Banknote der Welt.
Vor der Bargeldumstellung versuchen Fälscherbanden derzeit noch mit Hochdruck, ihre falschen Schillinge oder Valuten unter die Leute zubringen. Polizeibehörden quer durch Europa melden weit mehr Fälle von Falschgeld als in früheren Jahren. Besondere Aufmerksamkeit ist nach Angaben der Experten bei D-Mark und Lire geboten. Gute Druckfälschungen kursieren beispielsweise vom 1000-DM-Schein und von den Scheinen zu 50.000 und 100.000 Lire. Aber auch französische Francs werden häufig nachgemacht.
Notenbank- und Innenministerium haben die Merkmale der am häufigsten vorkommenden "Blüten" zusammengefaßt. Diese sind ebenfalls über das Internet abrufbar. Entsprechende Merkblätter sind vor allem für Kassiere in Banken, Handel und Tourismus eine Hilfe.
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