Der Euro rollt auch Richtung Osteuropa

Riesige Bargeldbestände an D-Mark und Schilling müssen getauscht werden.

WIEN (dom). Seit 1. Dezember rollt der Euro auch nach Osteuropa. Die Töchter und Filialen der heimischen Banken in den Reformstaaten werden im Rahmen des sogenannten "Front-loading" mit Scheinen der neuen Gemeinschaftswährung beliefert. Auch die Deutsche Bundesbank beliefert die Stützpunkte der deutschen Banken in den Reformstaaten.

Allein die Oesterreichische Nationalbank liefert Euro-Scheine im Wert von rund 600 Mill. (mehr als acht Mrd. S) über die Grenzen in die Reformstaaten, wobei die Transaktionen nicht von der Notenbank selbst abgewickelt werden, sondern über die Tochterbanken der heimischen Banken laufen. Auf sie entfällt nun der Löwenanteil des Bargeldtausches in der Region.

Der Hintergrund dieser Transaktion: Sowohl von der D-Mark als auch vom Schilling befinden sich erhebliche Mengen im Ausland. Die Oesterreichische Nationalbank schätzt den Betrag an Austro-Dollars im Ausland auf 20 bis 30 Mrd. S. Von der D-Mark dürften sogar 60 bis 70 Mrd., möglicherweise bis zu 100 Mrd. jenseits der Landesgrenzen gehortet werden, davon allein 20 Mrd. DM in den Nachbarstaaten.

Sonderfall Jugoslawien

Besonders groß dürften die Bestände an Westbargeld in Ex-Jugoslawien sein. Die ehemalige Regierung hatte vor einigen Jahren die Devisenguthaben, welche Gastarbeiter im Land unterhielten, beschlagnahmt. Seit damals agiert dort die Bevölkerung weitgehend nach der Devise "nur Bares ist Wahres" und hortet Scheine.

All diese Bestände an Schilling- und D-Mark-Noten in den Ländern Zentral- und Osteuropas müssen natürlich ebenfalls in Euro-Banknoten umgetauscht werden. Um zu verhindern, daß es zu einem Valutentourismus kommt, die Bürger der Nachbarstaaten mit ihren Ersparnissen in Schilling oder D-Mark Richtung Euro-Land reisen, hat man sich dazu entschlossen, die neuen Geldscheine an die Ost-Töchter der heimischen Banken zu liefern.

Nach Osteuropa werden nur Euro-Scheine geliefert, nicht aber die Starter-Kits an Münzen, welche die Bürger von Euroland bereits ab Mitte Dezember bei Postämtern und Banken erwerben dürfen.

Die Banken in den Reformstaaten wurden von den westlichen Notenbanken verpflichtet, beim Bargeldtausch auch die internationalen Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche zu beachten. Wer Bargeld im Gegenwert von mehr als 14.000 € umwechselt, muß sich entsprechend ausweisen.

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