Euros bereits inoffiziell im Umlauf Nationalbank ist "nicht erfreut"

26 Euro-Münzen vermißt die Raiffeisenbank Langenlois seit einer Informationsveranstaltung. Aber auch anderswo wird das neue Geld bereits unters Volk gebracht.

WIEN. In Schönberg am Kamp in Niederösterreich scheint die Vorfreude auf den Euro besonders groß zu sein. Wahrscheinlich zu groß. Als die Raiffeisenbank Langenlois dort nämlich bei einer Informationsveranstaltung die neuen Scheine und Münzen präsentierte, konnten sich manche nicht mehr zurückhalten. Seither fehlen der Bank 26 Ein-Euro-Münzen, dafür hat sie aber nun Probleme mit der Nationalbank. Diese hat die Bank nach dem Vorfall aus der Euro-Vorverteilung vorläufig ausgeschlossen.

Doch nicht nur Bürger aus Schönberg, sondern immer mehr Österreicher haben schon die neue Währung in der Tasche. So hat etwa der Wiener Internet-Provider Arges.tempo Presseaussendungen verschickt, auf denen eine 1-Cent-Münze klebte. Die meisten der Euro-Inhaber verraten zwar ihre Quelle nicht, aber ziemlich sicher dürften die neuen Münzen aus den Euro-Startpaketen stammen, die manche Unternehmen bereits zu Schulungs- und Testzwecken bekommen haben.

"Daß Euros schon in den Händen von Privaten sind, ist nicht erfreulich", findet der Leiter der Abteilung Banknoten- und Münzenkasse der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Stefan Augustin. Denn erst ab Mitte Dezember soll das Volk das neue Geld laut Plan bekommen. Und die Unternehmen verpflichten sich bei der Annahme der neuen Scheine und Münzen schriftlich dazu, diese derzeit noch nicht in Verkehr zu bringen.

Doch was passiert, wenn geschieht, was eigentlich nicht sein darf? Den Unternehmen, die schon jetzt Euros und Cents verteilen, droht eine Konventionalstrafe, die abhängig vom Wert der vorverteilten Münzen ist. "Das ist meist nicht viel und schreckt nicht", meint Augustin. Eine weitere Möglichkeit sei, daß die Nationalbank die betroffenen Unternehmen von der Vorverteilung ausschließt. Bisher sei dies aber nur bei einer Bank geschehen.

Warum die Nationalbank im Fall Langenlois so hart reagiert hat, dazu gibt es keine offizielle Antwort. Man habe ein Exempel statuieren wollen, vermutet der Geschäftsführer der Raiffeisenbank, Johannes Rauscher. Er findet den Vorfall "nicht so schlimm", auch in anderen Ländern seien schon Euro-Startpakete vor dem Start verteilt worden. In der Branche munkelt man, daß sich Langenlois nach dem Euro-Mißgeschick mit der Nationalbank angelegt habe anstatt den Fauxpas zu bedauern.

Insgesamt verlaufe die Auslieferung der 1 Mrd. Stück neuer Münzen und 250 Mill. Scheine aber problemlos, sagt Augustin zur "Presse". Mehr als 60 Prozent seien schon ausgeliefert. Und Niederösterreich ist nicht nur bei der Münzverteilung schneller als andere: Die Arbeiterkammer findet nach einer Untersuchung, daß dort die doppelte Preisauszeichnung und die Umrechnung von Schilling in Euro "vorbildlich" funktioniere.

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