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Mehr Männer braucht die Schule

Die Erziehung darf nicht ausschließlich Sache der Frauen bleiben. Die Buben leiden darunter.

Der Autor ist Bereichsleiter im Wiener Rathaus für die Restitution und war langjähriger Amtsführender Präsident des Stadtschulrats für Wien.

Kluge Volksschuldirektorinnen wissen es schon jetzt: Wenn ihnen die Pädagogischen Akademien gleichwertige Bewerberinnen und Bewerber bieten, dann nehmen sie den Mann. Sie handeln damit gegenüber ihren Geschlechtsgenossinnen politisch unkorrekt. Verständlich ist ihre Entscheidung aber allemal.

Denn: Die Männer sind aus der Erziehung verschwunden. Und das spüren vor allem die Buben. Für sie bleibt selbst ein Fernsehvater wie Homer Simpson häufig unerlebbar.

In der Familie erzieht die Mutter. Im Kindergarten die Tante. In der Volksschule die geliebte Lehrerin. Männer kommen für Buben wie Mädchen bis zum zehnten Lebensjahr als Erzieher kaum vor. Das verstärkt den Eindruck vieler Buben, daß die Schule eine Angelegenheit von Frauen für Mädchen ist. Das einzige bestaunte männliche Rollenbild ist - der Schulwart. Respektiert, oft auch gefürchtet. Dem folgen auch schlimme Buben.

Die Grundschule braucht mehr Männer.

Die Klagen über schwierige und wilde Buben haben zugenommen. Kluge Schulen haben Bubenberater eingeführt - unbezahlt selbstverständlich. Und die sagen: Buben sind nicht von Natur aus eher aggressiv, sie finden nur immer weniger positive männliche Rollenvorbilder. Fühlen sich in ihrem Gefühlshaushalt vernachlässigt - brechen aggressiv aus oder versinken (deutlich häufiger als die Mädchen) in die Welt der Computerspiele.

Neben der empörenden, Jahrhunderte langen strukturellen Benachteiligung von Mädchen gibt es heute auch eine emotionale Benachteiligung der Buben. Die Schwierigkeiten, die sie bereiten, sind oft ein Hilfeschrei. Denn: Schwierigkeiten macht, wer Schwierigkeiten hat.

Die österreichische Schule könnte ohne engagierte Frauen nicht existieren. Sie benötigt daher mehr Frauen - in Führungspositionen. Lediglich zwei Frauen haben es geschafft, Direktorinnen von Höheren Technischen Lehranstalten zu werden. Viele technische Schulen sind nach wie vor Männerresiduen. Frauen sind in der Schulaufsicht und in der Lehrerausbildung und -fortbildung weit unterrepräsentiert.

An den Schulen stellen Frauen die überwiegende Mehrheit - nicht so an den Spitzen ihrer Personalvertretung oder der Lehrergewerkschaft. Die Schulverwaltungen sind unverändert Männerdomänen - auch die Zentrale am Minoritenplatz.

Man kann als Frau dort zwar eine einsame und tüchtige Bildungsministerin werden, aber schon im Parlament hört es sich auf: Die Schulsprecher sind, welch parlamentarische Pikanterie, allesamt - Männer. Die vertreten jene Mütter, die die Nachhilfelehrerinnen der Nation sind und auf denen die Hauptlast der Erziehung ruht. Ja, die Quotenforderung hat ihren Sinn, gerade hier.

Berechtigung hat sie aber auch im Alltag der Kindergärten und Volksschulen. Hier fehlen die Männer. Um sie müssen wir werben. Gerade die Buben einer vaterlosen Generation brauchen den Volksschullehrer als positives Rollenvorbild.

So wie wir an einer fairen Quote von 50 Prozent Frauen in Führungspositionen festhalten, sollten wir auch über eine wünschenswerte Männerquote - sagen wir einmal von 30 Prozent in der Grundschule - reden. Damit würde die Bildungsdebatte nur das geistig nachvollziehen, was klug disponierende Volksschuldirektorinnen jetzt schon wissen. Möge die Übung gelingen.