Schutz des Gewebes nach Herzinfarkt

Die Firma "Fibrex", erfolgreich beim "Best-of-Biotech"-Bewerb, entwickelt neue Medikamente gegen Entzündungen - auch zur Nachbehandlung von Herzinfarkt-Patienten.

Herzinfarkt entsteht durch Verstopfung eines Blutgefäßes. Die lebensrettende Therapie liegt nahe: die Verstopfung beseitigen - chirurgisch oder durch Medikamente. Die rasche Wiederdurchblutung soll verhindern, daß zuviel Gewebe abstirbt. Doch diese "Reperfusion" hat einen Preis: Sie ruft erst recht Gewebsschäden hervor und vergrößert so den Infarkt. "Es mag paradox klingen", erklärt Peter Petzelbauer, Mediziner am Wiener AKH, "aber genau durch die Reperfusion wird der Gewinn der Behandlung drastisch reduziert. Das überreiche Sauerstoff-Angebot, das plötzlich auf Sauerstoffmangel folgt, erzeugt ein chemisches Umfeld, das Entzündungen und damit Schaden am Herzmuskel provoziert."

Schutz des Herzmuskels

So könnte bei vielen Infarktpatienten - man schätzt die Zahl auf sieben Millionen jährlich in den industrialisierten Ländern - der Herzmuskel durch eine entsprechende Therapie geschützt werden. Eine solche ist aber derzeit nicht auf dem Markt.

Die Wiener Firma "Fibrex" ist auf die Analyse von Entzündungsprozessen spezialisiert. Entzündungen laufen in mehreren Schritten ab und werden von den Leukozyten (weißen Blutkörperchen) getragen. Diese heften sich nach ihrer Aktivierung an die Gefäßwand und wandern schließlich aus dem Blutgefäß ins umliegende Gewebe. Dieser letzte Schritt, so Petzelbauer, ist "irreversibel und eine Art Flaschenhals: Sind die Leukozyten im Gewebe angelangt, entsteht unweigerlich Entzündung, der Gewebsschaden ist vorprogrammiert."

So kann man die Entzündung am effektivsten genau in diesem Schritt bekämpfen. Man blockiert ihn - mit Peptiden, die also anti-inflammatorisch, gegen die Entzündung wirken. Drei solcher Peptide konnte Petzelbauers Team bereits identifizieren, für zwei sind schon Patentanträge gestellt. Und diese sind auch das wissenschaftliche Startkapital seiner Firma "Fibrex", die sich zunächst darauf konzentrieren wird, eines dieser Peptide als das weltweit erste Medikament gegen Reperfusionschäden bei Herzinfarkt zu etablieren. Ergebnisse an Ratten liegen bereits vor: Durch ein anti-inflammatorisches Peptid - provisorisch nicht gerade marktschreierisch "FX06" genannt - konnte das Volumen des zerstörten Gewebes auf die Hälfte reduziert werden. So hofft Petzelbauer, das Medikament in etwa zwei Jahren klinisch testen zu können.

Im weiteren befaßt sich "Fibrex" auch mit der Therapie der Autoimmunkrankheit Gelenksrheuma und der Psoriasis (Schuppenflechte). Das Prinzip ist stets dasselbe: Entzündungen blockieren und damit Gewebsschäden verhindern.

Biologie der Blutgefäße

Durch diesen generellen Mechanismus erklärt sich, wieso Petzelbauer, der eigentlich zum Stand der Dermatologen gehört, sich nun intensiv mit dem Herzinfarkt befaßt. Er hat auch nach einem längeren USA-Aufenthalt an der Yale University, New Haven, am Wiener AKH ein Labor für Biologie der Endothelzellen aufgebaut, jener Zellen also, die die Blutgefäße auskleiden. Biochemie war für den Sohn einer Chemikerin ("Meine Mutter hat mein Interesse für Proteine geweckt") schon im Studium ganz und gar kein lästiges Nebenfach.

Dennoch steht ihm bei "Fibrex" mit Sonja Lechleitner auch eine "geprüfte" Molekularbiologin zur Seite. Gegründet ist die Firma "Fibrex" bereits, beim Start sehr hilfreich war der "Best of Biotech"-Wettbewerb der Innovationsagentur.

Bruder "Bruno" berät

Bei diesem Bewerb erreichte Petzelbauers Team den zweiten Platz und lernte auch etliches über wirtschaftliche und rechtliche Belange. Petzelbauer: "Ich hab' mir das leichter vorgestellt." Als Konsulent in rechtlichen Fragen steht ihm sein Bruder Günter zu Seite, ein Rechtsanwalt, den er beharrlich "Bruno" nennt: "Ein Spitzname aus der Schulzeit. Er hat damals in Diskussionen immer den Kreisky verteidigt."

Die Gebrüder Petzelbauer, Lechleitner, dazu Wirtschaftsexperte Thomas Steiner: Das ist die Gründungsmannschaft von "Fibrex". Eine Förderung durch den Wiener Wirtschaftsförderungsfonds ist bewilligt, man ist zuversichtlich, bald weitere Geldgeber zu finden - und Anfang 2002 ein eigenes Labor beziehen zu können. Dann wird sich Petzelbauer zumindest teilweise von seinem engen Zimmer im AKH verabschieden, von dem man so schön auf Leopolds- und Kahlenberg sieht. Kleine Hügel für einen passionierten Bergsteiger, aber immerhin.

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