Erich von Däniken warb in Wien für die Schau "Unsolved Mysteries". Ein Augenschein des "Unerklärlichen".
"Irgend etwas stimmt da nicht. Es muß Sprünge gegeben haben, vielleicht sogar Zeitreisen." Der joviale Herr, der mit breitem alemannischen Akzent wiederholt, daß "irgend etwas nicht stimmen kann" mit unserem Weltbild, heißt Erich von Däniken und gilt in esoterisch gesinnten Kreisen noch immer als Kapazität. Nach Wien ist er gekommen, um "Unsolved Mysteries", eine Ausstellung über "Die Welt des Unerklärlichen" im Wiener Schottenstift zu bewerben.
Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch wurden auch neue Exponate vorgestellt, darunter Knochenfunde, die 65 Millionen Jahre alt sein sollen. Laut Veranstaltern sind zwei von vier befragten Fachleuten der Ansicht, es handle sich "um einen humanoiden rechten Fuß oder eine humanoide rechte Hand". Als Zeugen werden genannt: der Chefarzt der Bundespolizei Wien und "Herr Prof. Dr. Friedrich Windisch vom Anatomischen Institut der Universität Wien" (dort gibt es nur einen Alfred Windisch).
Begeistert zeigte sich Däniken auch von einem Abdruck, der entfernt einer Schuhsohle ähnelt und einen zertretenen Trilobiten, also einen längst vor Entstehung des Menschen ausgestorbenen Gliederfüßer, zeigen soll. Man muß kein ungläubiger Thomas sein, um angesichts des Exponats zu fragen: "Wo soll hier ein Trilobit sein?" Der sei im Abdruck verborgen, meint ein grenzwissenschaftlich Engagierter, der sei zu klein, um ihn zu sehen, ein anderer. "Sind Sie denn von der Kirchenzeitung?" fragt ein Dritter erbost.
Bitte das nicht. Aber Trilobiten waren trotzdem größer als drei Zentimeter. Warum dieser Fund "die Evolutionsgeschichte in einem neuen Licht erscheinen lassen" soll, wie die Einladung versprochen hat, bleibt unklar. Aber wenn man wirklich will, kann man ja auch daran glauben, daß beim (längst erklärten) "Roswell Incident" 1947 wirklich Ufos zu Gast in den USA waren. Im Schottenstift wird ein "Ufo-Fragment" gezeigt, das "ein unbekanntes außerirdisches Isotop" enthalten soll.
Auch solche Aussagen werden bei aller sonst zelebrierten Wissenschaftsskepsis mit dem Wort "Wissenschaftler" quasi autorisiert. "Die Gesellschaft von heute ist so scheinheilig", sagte Däniken - in anderem Zusammenhang, aber es paßt.