Schwarzer Flügel wieder rot-weiß-rot

Bösendorfer gerettet - so könnte das Motto lauten. Tatsächlich ist mit dem Kauf der Klavierbauer-Firma durch die Bawag-PSK ein Traditionsbetrieb heimgeholt worden.

Bösendorfer war so etwas wie der letzte Mohikaner unter den Klaviermanufakturen. Noch im Wien der Jahre um 1900 gab es an die hundert Klavierbauer. Jeder bürgerliche Haushalt, der etwas auf sich hielt, nannte einen Flügel aus der Fabrikation eines der zahllosen k. u. k. Hoflieferanten sein eigen.

Ende des 20. Jahrhunderts gab es das Gewerbe so gut wie überhaupt nicht mehr. Bösendorfer, die berühmteste Wiener Marke, war seit 1966 in amerikanischem Besitz. Immerhin: Die neuen Besitzer ließen die Wiener (ab 1973 Wiener Neustädter) Handwerker nach alter Weise weiter arbeiten, lösten den Betrieb auch nicht auf, als es mit den Budgetzahlen gar nicht mehr rosig, sondern nur noch rot aussah.

Das Zittern, was mit Bösendorfer passieren würde, da nun ein Verkauf erwogen wurde, hat seit der Absichtserklärung der heimischen Investoren ein Ende: Bösendorfer bleibt erhalten.

Damit ist die Weiterführung einer langen und teilweise ruhmreichen Tradition gesichert. Sie geht auf das Jahr 1828 zurück. Damals entschloß sich der junge, frischgebackene Instrumentenbauer Ignaz Bösendorfer dazu, einen eigenen Betrieb aufzumachen. Kaiser Ferdinand verleiht ihm den Titel "k. u. k. Hof- und Kammerklavierfertiger".

Für Liszt gerade richtig

Der Ruf des Wiener Meisters basiert nicht zuletzt auf harten Fakten. Nicht nur sind die Bösendorferschen Flügel von höchster Klangqualität, sie halten auch allerhand aus. Franz Liszt, der im Gefolge der geigerischen Hexenmeistereien Paganinis den pianistischen Zugriff auf die Tastaturen revolutionierte, hatte sich zum regelrechten Klaviermörder entwickelt. Keines der vergleichsweise zarten Instrumente überlebte einen Lisztschen Klavierabend.

Bis Bösendorfer kam und den Panzer baute, der auch nach donnernden Kaskaden wiederverwendbar blieb.

So etwas spricht sich herum. Der Flügel, der Liszt getrotzt hatte, wurde weltweit zum Begriff, Bösendorfer zum florierenden europäischen Unternehmen. Ludwig, der Sohn Ignaz Bösendorfers, übernahm 1859 die Führung. Er war mit seinem Bösendorfer-Saal bald auch der wichtigste Konzertveranstalter Wiens, in den Jahren, bevor die Gesellschaft der Musikfreunde ihr Gebäude errichtete, aber auch noch lange danach. Erst 1913 zieht Bösendorfer selbst ins Musikvereinsgebäude ein, wo noch heute Verkaufsräume bestehen.

Mit den Aufführungen im neuen Bösendorfer-Saal im Firmengebäude in der Graf-Starhemberg-Gasse knüpft man seit 1983 an die alte Tradition an. Junge, aufstrebende Talente haben dort Gelegenheit, vor Publikum auf den neuesten Produkten der Firma zu musizieren.

Daß Bösendorfer sich vom einstigen Marktführer auf den Konzertpodien der Welt wegentwickelt hat und die internationale Pianistenriege zum größten Teil anderen Instrumenten den Vorzug gibt, könnte sich, glaubt man den Wiener Produzenten, bald wieder ändern. Die Verkaufszahlen haben sich zuletzt erfreulich nach oben entwickelt und das Potential des handwerklichen Geschicks und Wissens ist im Hause Bösendorfer enorm. Liegt nun die gesamte Verantwortung wieder in Österreich, so gibt das vielleicht Anlaß zu neuem Elan.

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