Mozartjahr im Theater an der Wien: Vorprogrammiertes Spielplan-Chaos?

Ein Zwischenruf in Sachen Theater an der Wien. Was an Gerüchten über Festwochen-Pläne mit dem Haus an die Öffentlichkeit dringt, läßt nichts Gutes ahnen.

Ist es in der Weihnachtszeit gestattet, einen halblauten Zwischenruf in der leidigen Causa Theater an der Wien verlauten zu lassen? Die Stadtväter, die laufend irgendwelche Kommissionen einsetzen, um Dinge zu erfahren, die die Spatzen von den Dächern pfeifen, denken offenkundig nicht daran, die Zukunftsfrage des Hauses endlich zu erwägen und zu klären.

Viel wahrscheinlicher ist es, daß man typisch wienerisch weiterwurstelt wie bisher, daß alle möglichen Beteiligten ihre Süppchen kochen und Steuergelder verschwenden. Anders ist es nicht erklärbar, daß zum Beispiel immer wieder die erstaunlichsten Projekte für das Theater an der Wien lanciert werden. Zum Beispiel hat man zuletzt in Graz gemunkelt, die Wiener Festwochen dächten daran, die zirkusreife "Aida"-Inszenierung Peter Konwitschnys samt dem dazugehörigen musikalischen Personal aus der Grazer Oper ins Theater an der Wien zu holen. Damit auch Wien, wo "Aida" seit Jahr und Tag auf dem Programm der Staatsoper steht, endlich am Fortschritt Marke "deutsches Feuilleton" teilhaben kann und merkt, wie man Verdi in einem "Opernhaus des Jahres" besetzt.

Aber auch in Richtung Mozart-Jahr denkt man voraus. Der in Berlin scheidende Dirigent Claudio Abbado will mit dem Gustav Mahler Jugendorchester für die Festwochen eine Mozart-Oper im Theater an der Wien herausbringen. Da stutzt der Kenner der Szene, denn es könnte sich daraus erklären, warum von Festwochenseite versucht wurde, die Gesamtaufführung des Da-Ponte-Zyklus 2002 unter Abbados Erzrivalen Riccardo Muti zu torpedieren.

Verdoppelt, verdreifacht?

Aber auch eine Frage drängt sich auf: Welche Mozart-Oper will Abbado dirigieren? Zwei der Da-Ponte-Opern hat er mit den Philharmonikern vor nicht allzu langer Zeit im Theater an der Wien bereits herausgebracht. Muti hat dann "verdoppelt". Will man nun auch "Cosi fan tutte" ein zweites Mal innerhalb kürzester Zeit inszenieren? Oder mangels eigener Kreativität gar aus Ferrara importieren? Oder widmet sich der Maestro plötzlich der "Zauberflöte", der "Entführung" oder dem "Idomeneo" - was zu einer bemerkenswerten Dreifachverwertung eines Titels im Mozartjahr führen würde, denn der "Idomeneo" kommt zuvor bereits im selben Haus beim Klangbogen heraus. Und danach in der Staatsoper unter Seiji Ozawa, der ja auch die Da-Ponte-Opern von Muti übernehmen und ins Haus am Ring transferieren wird.

Besorgniserregend an alledem sind mehrere Punkte: zum einen die Ignoranz, mit der man bei den Festwochen seit Jahren die Wiener Orchester behandelt. Früher einmal waren die Symphoniker selbstverständlich das Festwochen-Orchester, später haben die Philharmoniker musiziert, zuletzt hat das RSO bewiesen, daß es, richtig geführt, auch bei Oper perfekte Leistungen zu bringen imstande ist.

Des weiteren fragt man sich, warum in dieser Stadt die Koordination zwischen den einzelnen Veranstaltern so gar nicht funktioniert. Reden schon Volks- und Staatsoperndirektor zu wenig miteinander, so ist ein Spielplanchaos durch die prolongierte Krise des Theaters an der Wien, wo niemand für Gebarung und Repertoireplanung verantwortlich ist, vorprogrammiert.

Vielleicht sind aber alles nur Gerüchte, vielleicht löst sich alles in Luft auf und man bittet die Interessenten an Grazer Produktionen, diese doch an Ort und Stelle zu bewundern. Vielleicht will Claudio Abbado auch ein Mozartsches Frühwerk einstudieren und damit eine Repertoirelücke füllen.

Dann wäre für das Mozartjahr etwas gewonnen, die langsam lächerlich wirkende, längst fahrlässige Krise des Theaters an der Wien jedoch nicht einmal ansatzweise gelöst.

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