Die meisten sind schlecht EGYD GSTÄTTNER

Oh Bias von Priene, Sohn des Teutamos, der du der Weiseste unter uns bist, hinterlasse Besuchern dieses Tempels ein Zeichen deiner Erleuchtung!" - "Hört zu, meine Freunde, es ist besser für alle, wenn ich nichts schreibe". Nach langem Hin und Her konnte sich der arme Weise dann doch nicht entziehen: Mit zitternder Hand ergriff er einen kleinen Meißel und schrieb: "Die meisten sind schlecht". Auf den ersten Blick scheint das ein harmloses Sätzchen, in Wirklichkeit ist die Maxime des Bias aber das dramatischste Urteil, das je ausgesprochen wurde. "Die meisten sind schlecht", das ist ein Satz, der einschlägt wie eine Bombe und jede Ideologie zerstört. Da bricht das Prinzip der Demokratie zusammen, das allgemeine Wahlrecht, der Marxismus, das Christentum, jede andere Doktrin. Nebenbei trifft der Satz hervorragend aufs österreichische Fußballgeschehen zu, sowohl Vereine, als auch Nationalteam. Da die meisten wieder einmal auf der Suche nach einem neuen Teamchef sind, habe ich mir gedacht, ich annonciere meinen Bias von Priene, obwohl er sicher nur Außenseiterchancen hat. Seinen Satz jedenfalls könnte er nach den meisten Spielen in den meisten Interviews verwenden.

Meinetwegen hätte auch Baric ruhig weitermachen können. Hat er nicht seinerzeit angekündigt, wenn er nur den dritten Platz schafft, geht er in Opposition? Jetzt ist er nachweislich Zweiter geworden und tritt in einem Anfall unösterreichischen Verhaltens trotzdem zurück! Besonders rätselhaft ist mir, warum der als Maximalist verschriene Baric offenbar kein Interesse hat, das allerhöchste Amt, das Österreichs Fußball zu bieten hat, anzustreben, das Amt, das noch alle Teamchefs nach ihrem finalem Debakel angetreten haben, das des ORF-Chefanalytikers!

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Jetzt habe ich noch lesen müssen, daß der ÖFB-Präsident Sondierungsgespräche führen will. Dieses Wort verheißt nichts Gutes! Der charismatische Osim mag große Erfolge mit Jugoslawiens Team gefeiert haben - aber da hatte er auch gute Fußballer zur Verfügung! (Slowenien oder Kroatien feiern auch ohne Osim große Erfolge!) Osim hat auch große Erfolge bei Sturm gefeiert - aber allzu viele Österreicher haben am Platz nicht mitgefeiert. Schwer is. Constantini hat Erfahrungen unter Happel und Baric gesammelt, aber wie man zur WM kommt, haben ihm keiner vormachen können. Krankl wieder attestiert man enorme Begeisterungsfähigkeit, wobei ich den Eindruck habe, Krankl begeistert das Fußball-, das Musik-, das Seitenblickepublikum, die Interviewer, Journalisten, Reporter, nur Spieler begeistert er nicht. Jedenfalls haben die begeisterten Mödlinger, begeisterten Tiroler, begeisterten Rapidler, begeisterten Salzburger oder begeisterten Kölner mit ihrer Begeisterung nicht viel anzufangen gewußt. So kommt man beim Sondieren neben Meriten auf Schwächen und Ungereimtheiten, und ehe man sich versieht, sind Sondierungsgespräche gescheitert, Zukunftsgespräche ergebnislos verlaufen, Regierungsverhandlungen geplatzt und plötzlich hat Österreich einen Teamchef, mit dem niemand gerechnet hat und den die meisten auch nicht wollen. Aber die meisten sind schlecht.

Meine Haushälterin, Frau Wegscheider, die von Fußball noch weniger versteht als Jörg Haider, hat mir eine besonders originelle Analyse der Krise gegeben. Die liegt, meint sie, weder am ÖFB, noch am Teamchef, noch an Spielern. Die Sponsoren sind schuld! Austria Memphis, Puntigamer Sturm, Casino Bregenz! Raucher, Säufer, Glücksspieler - was soll da herauskommen! Fehlt nur, daß sich Beate Uhse annonciert. Wenn Spieler schon Glieder oder Panis heißen, sagt sie. Nachwuchsförderung von Grund auf, sozusagen. Den Gipfel der Selbstironie hat aber ihrer Meinung das Team erklommen, denn seit Jahren steht auf Trainingsjacken Burgenland. Nichts gegen Burgenland, sagt Wegscheider, aber das hat ja nicht einmal in der Bundesliga einen Klub! Vielleicht Zweckpessimismus des ÖFB, vielleicht will man Gegner in Sicherheit wiegen. Aber man darf nicht erwarten, daß sich Türken, Spanier, sonstige Großmächte vor einem Bundesland in die Hose machen!

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