Temelin: Grünes Licht für Leistungserhöhung

Die Atomaufsichtsbehörde in Prag gibt freie Bahn für die Leistungserhöhung im Reaktor eins des AKW Temelín
auf 75 Prozent.

WIEN/PRAG. "Nur noch Formsache; Papierarbeit. Die Tests und Prüfungen sind über die Bühne, keine Probleme",
so faßt Peter Kriz die Arbeit seiner Experten in den vergangenen Wochen zusammen. Kriz ist stellvertretender
Leiter der tschechischen Atomaufsichtsbehörde SUJB. "Vielleicht am Wochenende, vielleicht am Montag
werden wir die Genehmigung erteilen, daß die Reaktorleistung auf 75 Prozent hochgefahren werden kann.
Es ist jedenfalls bloß eine Sache von ein paar Tagen, höchstens." Bisher war den Betreibern des südböhmischen
AKW Temelin, 50 Kilometer von Österreichs Grenze entfernt, das Limit mit 55 Prozent der Leistung gesetzt
worden.

Parallel dazu verhandelt unter anderem auch die SUJB mit dem Umweltministerium in Wien über einen Kompromiß
für den Melker Prozeß. Zur Erinnerung: Auf ihn hatten sich die Regierungschefs Österreichs und der Tschechischen
Republik geeinigt - mit EU-Erweiterungskommissar Verheugen als Vermittler. Nach Prager Interpretation
ist die in Melk vereinbarte Umweltverträglichkeitsprüfung erfüllt; alle Fragen seien beantwortet. Ganz
anders die Einschätzung im offiziellen Bericht Österreichs: Aufgrund von Sicherheitsmängeln dürfe das
AKW "nicht betrieben werden", es hätte nicht einmal mit Brennstäben beladen werden dürfen.

Peter Kriz zu den weit auseinanderklaffenden Positionen: "Wir stehen erst am Anfang. Wir verhandeln."
Wann es ein Ergebnis und den formalen Abschluß des Melker Prozesses durch ein Treffen von Verheugen,
Schüssel und Zeman geben könne, vermag er nicht zu sagen.

Gefährliche Schwachstelle

Greenpeace veröffentlichte am Freitag den Bericht des Technikers eines Subunternehmers des Temelin-Betreibers
CEZ, wonach die Schweißnaht 1-4-5 im Primärkreislauf nicht geprüft worden sei. Der Greenpeace-Vorwurf:
An konkret dieser Stelle sei ein Rohr falsch angebracht, wieder demontiert und dann erneut geschweißt
worden, diesmal richtig. Das sei eine gefährliche Schwachstelle im Kühlkreislauf.

Dazu SUJB-Vizechef Kriz: "Das ist ein Evergreen. Wir haben die Tests nicht selbst durchgeführt, aber
uns Dokumentation und Prüfberichte vorlegen lassen. Alles einwandfrei", meint er. Er kritisiert, daß
die Umweltorganisation den Namen des Technikers nicht preisgebe. Dies geschehe deshalb nicht, so ein
Sprecher von Greenpeace, weil der Techniker um seinen Job fürchten müsse.


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