Mein Mann ist ein Macho und keiner glaubt mir

Sie kennen solche Typen -  sie würden niemals einen Diesel fahren und Lesben sind für sie "schiache Weiber". Unter Freunden raten sie einander, von Akademikerinnen die Finger zu lassen: Die machen nur Ärger. Und sie meinen, eine Frau finde ihre sexuelle Bestimmung darin, sie morgens oral zu verwöhnen.
Nein, so einer ist mein Mann natürlich nicht. Aber manchmal stellt er sich so an. Beispiele? Wenn er sich Insalata caprese zubereitet, muß ich ihm die Tomaten schneiden und die Mozzarella-Scheiben auf dem Teller anrichten, weil er das angeblich nicht so schön hinbekommt.
Bin ich zehn Tage verreist, schimmeln die Teller in der Geschirrspülmaschine: Er weiß nicht, wie man dieses eigenartige Gerät überhaupt bedient. Unsere zweijährige Tochter bringt er im Pyjama in den Kindergarten, dafür legt er sie mit jener Hose ins Bett, mit der sie drei Stunden davor in der Sandkiste herumgetollt ist. Und halte ich es ihm vor, nennt er das "respektlos".
"Macho" - sagte ich darum neulich zu ihm. "Du bist ein Macho." Ich will hier nicht ins Detail gehen, aber in den nachfolgenden Streit waren fast alle unsere Bekannten involviert. Barbara meinte jedenfalls, ich übertreibe: "Machos sehen anders aus, und ich muß das wissen." Barbara ist geschieden und derzeit mit einem Mann liiert, der zwar die Frauen nicht unbedingt zurück an den Herd schicken will, aber doch zu bedenken gibt, daß Drogensucht und Gewalttätigkeit der heutigen Jugend in der Berufstätigkeit der Mütter begründet sind. "Dein Mann ist Schriftsteller", meint Barbara, "der lebt halt in anderen Sphären." Als ob Schriftsteller im Pyjama auf die Straße gehen! Was soll ich sagen: Barbara war noch diplomatisch gegen Melanie, die schlicht sagte: "Du spinnst ja. Der ist doch süß!"
Dazu muß man wissen: Ihr Partner hat einen Waschbrettbauch und poliert an Samstagnachmittagen seinen Heckspoiler. Außerdem ist er süchtig nach HipHop-Videos, in denen schlanke, vollbusige Mädchen ihre entzückenden Pos schwenken. Mein Mann ist ein Macho und keiner will mir glauben!
Nur Sandra, die Single ist und daher objektiv, ließ sich auf eine feministische Debatte ein, in deren Verlauf sich herausstellte, daß Männer nun einmal immer Buben bleiben, denen man die Wäsche waschen und deren Spielzeug man in Ehren halten muß. Trotz dieses Lichtblicks: Alles in allem sah ich mich überstimmt. Mein Mann, der Macho, triumphierte. Also ehrlich: Die chauvinistischen Partner meiner Freundinnen machen mir wirklich das Leben schwer.

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