Um Strom zu sparen, werden die Uhren heuer früher umgestellt.
Washington. Der Hintergedanke ist ein löblicher: Das Land, das die meiste Energie der Welt verbraucht, will Strom sparen. Daher entschloss sich die Regierung Bush, die Sommerzeit zu verlängern. Bereits an diesem Wochenende stellt man die Uhr eine Stunde vor, zwei Wochen früher als in Europa. Erst am 4. November werden sie wieder zurückgestellt (eine Woche nach Europa). Insgesamt dauert die Sommerzeit in den USA damit um vier Wochen länger als in den vergangenen Jahren.
Was man nicht bedachte: Alle elektronischen Geräte haben die alte Sommerzeit einprogrammiert. Computer, Blackberrys, alle Netzserver und Handys. Computerexperten sprechen daher schon von einem „kleinen Y2K“, das den USA aufgrund der neuen Sommerzeit droht. „Y2K – Year 2000“ war der Name für das weltweite Computerchaos, das beim Jahreswechsel von 1999 auf 2000 erwartet wurde, aber nicht eintrat.
„Wir gehen in Anrufen unter“, erklärte Skip Hankins, Leiter eines Computerzentrums. Zwar befürchtet niemand, dass Flugzeuge vom Himmel fallen und Bankomaten nicht mehr funktionieren. Aber: „Bei Flugtickets könnte es Probleme geben. Und auch elektronische Terminplaner könnten ziemlich durcheinander geraten.“
Computer und Blackberrys, die in den USA große Popularität genießen, müssen teils manuell umgestellt werden. „Und das ist in einem Land, in dem der Großteil der Bevölkerung nicht einmal den Videorekorder programmieren kann, keine kleine Sache“, so Hankins.
Auch Kanada macht mit
Die Arbeitskosten zur Zeitumstellung aller elektronischen Geräte werden US-weit auf mehrere hundert Millionen Dollar geschätzt. Allein Strom- und Gaslieferanten müssen tausende Zähler updaten. In den USA werden die Kosten für Strom und Gas nach der Tageszeit berechnet. Immerhin eine große Erleichterung brachte die neue Sommerzeit: Kanada stellt im Gleichschritt mit den USA die Uhren um. Früher hatte jede Provinz des Landes eigene Regelungen, wann die Sommerzeit beginnt und endet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2007)