Chirac
Stationen einer Karriere
In Frankreich wird am 22. April ein neuer Präsident gewählt. Sollte im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die vorgeschriebene absolute Stimmenmehrheit erreichen, findet am 6. Mai eine Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten statt. Die Amtszeit von Jacques Chirac endet am 17. Mai. Dann ist er zwölf Jahre an der Spitze des Landes gestanden - länger als der Gründer der Fünften Republik, General Charles de Gaulle (1959-69), der zurücktrat, nachdem die von ihm gewünschte Regional- und Senatsreform in einem Referendum gescheitert war.
AP (Philippe Wojazer)
Mit 62 Jahren wird Chirac, langjähriger Bürgermeister von Paris und zweimaliger Premierminister (1974-76 und 1986-88) zum Nachfolger Mitterrands gewählt, gegen den er 1981 und 1988 erfolglos angetreten war. In der Stichwahl besiegt er mit 52,6 Prozent der Stimmen den Sozialisten Lionel Jospin. Der neue Präsident verspricht, die "soziale Kluft" in Frankreich zu überwinden.
Reuters
Als erstes Staatsoberhaupt erkennt Chirac die Mitverantwortung Frankreichs für die Deportation und Ermordung von Juden unter dem Vichy-Regime im Zweiten Weltkrieg an. Er verkündet die Wiederaufnahme der Atomtests im Südpazifik (Mururoa), die 1996 beendet werden. Paris tritt dem Atomteststoppvertrag bei und entwickelt seine Atomwaffen nunmehr am Computer. Im Bild: Chirac in Auschwitz 2005.
Reuters
Chirac löst die Nationalversammlung vorzeitig auf. Statt des von ihm erhofften Rückenwindes für seinen angeschlagenen Premierminister Alain Juppé bringen die Neuwahlen einen überraschenden Sieg der linken Opposition. Es beginnt eine fünfjährige "Kohabitation" mit Jospin als Premier. Als wichtigste Reform setzt die Linkskoalition aus Sozialisten, Kommunisten, linksliberalen Radikalen und Grünen die 35-Stunden-Woche durch. Im Bild: Chirac mit Alain Juppe.
AP (Georges Gobet)
Per Referendum wird die Amtszeit der Staatschefs von sieben auf fünf Jahre verkürzt. Im Bild: Chirac mit seiner Frau Bernadette bei der Stimmabgabe.
Reuters
Bei der Präsidentenwahl wird Jospin völlig unerwartet von Le Pen überflügelt, der gegen Chirac in die Stichwahl zieht. Mit überwältigender Mehrheit (82,2 Prozent) wird Chirac wiedergewählt. Die neu gegründete bürgerlich-konservative Sammlungspartei UMP erhält bei den Parlamentswahlen eine stabile Mehrheit, Jean-Pierre Raffarin wird Premier. Bild: Chirac mit den Herausforderer Lionel Jospin.
Mit dem deutschen Kanzler Gerhard Schröder und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin stellt sich Chirac an die Spitze der Gegner des Irak-Krieges der USA.
AP (Maxim Marmur)
Bei den Regionalwahlen erleidet die UMP enorme Verluste, die bürgerliche Rechte verliert 20 der 22 Regionen an die Linke, für die es erstmals seit 1981 eine absolute Mehrheit gibt. Symbolfigur des Erdrutschsieges ist die sozialistische Ex-Ministerin Ségolène Royal, die in Poitou-Charentes, der Heimatregion von Premier Raffarin, Präsidentin wird. Im Bild: Eine Aktivistengruppe veranstaltet ein "Fußball-Spiel gegn den Planeten" in Masken von Nicolas Sarkozy, Segolene Royal und Jacques Chirac.
Reuters
Chiracs Wunschnachfolger Juppé (im Bild) wird wegen einer Korruptionsaffäre aus gemeinsamen Zeiten im Pariser Rathaus verurteilt und scheidet aus dem Machtpoker aus. Chiracs Intimfeind Nicolas Sarkozy übernimmt die UMP-Führung.
Reuters
Das Referendum zum EU-Verfassungsvertrag bringt Chirac eine verheerende Niederlage. Fast 55 Prozent der Franzosen sagen "Non". Kritiker werfen dem Präsidenten vor, die Alltagssorgen der Menschen nicht zu verstehen. An die Spitze der Regierung setzt er Ex-Außenminister Dominique de Villepin in der Hoffnung, Sarkozys Präsidentschaftsambitionen noch durchkreuzen zu können.
Reuters
Im Herbst legen wochenlange Vorstadtkrawalle Frankreichs soziale Probleme bloß. Chirac tritt in dieser schwersten Krise seiner Amtszeit kaum öffentlich in Erscheinung.
AP (Michel Euler)
Sarkozy lässt sich von der UMP zum Präsidentschaftskandidaten küren, ohne einen offiziellen Verzicht Chiracs auf Wiederkandidatur abzuwarten. Ein Rauchverbot am Arbeitsplatz und in öffentlichen Gebäuden tritt in Kraft. Damit hat Chirac den von ihm zur Chefsache erklärten Kampf gegen den Krebstod durch Rauchen vorantreiben können. Weniger Fortschritte kann er im Kampf gegen die Benachteiligung Behinderter vermelden. Im Bild: Masken von Chirac und Sarkozy im Karneval.
Reuters