Arche-typisch Mann

Mode. Herren-Designerin Ute Ploier über Exoten-Status & Inspiration.

Ute Ploier ist keine von den Lauten. Sonst hätte sie auf die „Sie wissen jetzt eh, was kommt“-Frage mit Augenrollen oder zumindest einer schnippischen Replik reagiert. Etwa in der Art: Warum muss sich eine Frau lang und breit erklären, wenn sie Männermode macht, Männer aber nie, wenn sie Frauenmode machen?

Die Designerin jedoch lächelt. Sie hat sich, so scheint's, mit ihrer Ausnahme-Rolle ausgesöhnt („Es gibt sogar soetwas wie einen Exoten-Bonus“). Sie antwortet höflich: Ja, es sei interessant aus der Gender-Distanz Mode zu machen. Und ja, das Spannende an Männermode sei, dass man „wesentlich limitierter“ ist: „Ändert man ein Detail, sticht das viel mehr ins Auge.“

Und im Fall von Ploier auch den richtigen Leuten. Die gebürtige Linzerin, die in London (St. Martins) und Wien (Angewandte) studierte und den wichtigen „Prix Hommes“ beim Modefestival in Hyères gewann, reüssierte kürzlich in Paris mit ihrer Herbst/Winter-Kollektion „The Messenger“. Die monochromen, in Schwarz gehaltenen Entwürfe thematisieren die Rolle des Boten. Inspiriert wird Ploier von Bildern (in diesem Fall: Gottfried Helnwein) oder Filmen: „Ich habe eine Art Drehbuch mit Hauptcharakter im Kopf.“ Dies sei aber keine konkrete Person, sondern ein Archetyp – siehe: der Bote. Den sie in Paris mit plissierten Hosen, gewickelten Strickjacken, Kapuzenmänteln, gepolsterten Krägen („angenehm im Flugzeug“) über den Laufsteg schickte.

Wien – Paris – Tokio

Und apropos weite Welt: Die Entwürfe, die im kleinen Büro am Wiener Loquaiplatz entstehen, werden zu achtzig Prozent nach Japan exportiert. Ploier verkauft (abgesehen von ein paar Stücken, die im „Park“-Shop hängen) ausschließlich über ihren Showroom in Paris. Ein Geschäft in Wien, sagt sie, wäre ein nettes Zubrot, würde sich aber zeitlich nicht ausgehen.

Was sich auch nicht ausgeht: Eine Damen-Kollektion. An sich, sagt Ploier, hätte sie Lust, aber keine Zeit. Die Frage, was sich dann dadurch an ihrem Zugang zur Mode ändern würde, bleibt Ploier also erspart. Noch.

uteploier.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2007)

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