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Ostalgie: Rumänen kaufen und sanieren Dreckschleuder in Serbien

Am Kupferkomplex RTB Bor waren auch Österreicher und Russen interessiert, verzichteten aber wegen der gravierenden Umweltprobleme.

Eine der größten Dreckschleudern Südosteuropas wird nicht „österreichisch“: Die Voest-Alpine Intertrading hat bei der Privatisierung des serbischen Kupferkonzerns RTB Bor auf ein Gebot verzichtet, nachdem man die Tender-Dokumente gekauft und Einsicht in den Datenraum genommen hatte.

Kein Wunder, befindet sich doch RTB (Rudarsko Topionicarski Bazen) im Dreiländereck zu Bulgarien und Rumänien in einem erbärmlichen Zustand. Die Bergwerke in Bor und Maidanpek sowie die Kupferschmelze arbeiten mit Technologien, die zu Marschall Titos Zeiten modern waren, und der ist vor 27 Jahren gestorben.

Den Zuschlag erhielt der rumänische Konzern Cuprom, der laut dem „Bulgarischen Wirtschaftsblatt“ die Amalco-Gruppe und das Konsortium East Point überbot. Cuprom greift tief in die Tasche und zahlt 400 Mio. Dollar (304 Mio. Euro), obwohl das vorgeschriebene Mindestgebot nur 266,7 Mio. Dollar betragen hatte. Die Rumänen haben sich auch verpflichtet, 80 Mio. Dollar zu investieren, um Umwelt- und Produktionsprobleme zu beseitigen.

Der RTB-Kupferausstoß war von jährlich 170.000 Tonnen in den 70ern auf 40.000 Tonnen nach der Jahrtausendwende zurückgefahren worden. Von den einst mehr als 16.000 Beschäftigten blieben 6900 – 4700 sollen übernommen werden. Die RTB-Schulden von 600 Mio. Euro hingegen schluckt der serbische Staat.

Der Komplex von Bor gilt laut der UNO-Wirtschaftskommission für Europa als „ernsthafter Umwelt-Hot-Spot in Serbien“: Stäube und Schwefeloxyd-Abgase verpesten die Luft, Sulfitabfälle, Flotationsschlämme sowie Abwässer mit hohem Schwefelsäure- und Schwermetallgehalt belasten die Flüsse Bor und Krivelj. Außerdem sei ein Bruch der schlecht erhaltenen Deiche des Schlammbeckens Velik Krivelj zu befürchten. Dies würde „eine große, bis ins rumänische Donaudelta reichende ökologische Krise hervorrufen.“ Cuprom befreit also die Landsleute von Giften, die aus Serbien nach Rumänien wehen und rinnen.


Russen und Serben

Warum ein bulgarisches Medium die Niederlage von Amalco und East Point hervorhob? Bei den beiden auf Zypern registrierten Gruppen waren russische Interessen im Spiel. Hinter Amalco steht der zum reichsten Russen aufgerückte Oleg Deripaska mit seiner Holding Basic Element. Die East Point Holding des Serben Zoran Drakuliwiederum war mit der „Russian Copper Company“ verbündet. Sie alle gemeinsam hatten im Dezember 2003 die Kupfermühle Sevojno privatisiert – hätten sie sich auch RTB einverleibt, wären sie die unumschränkten Kupferkönige von Serbien geworden.

Das harte Ringen, das die Privatisierung um ein halbes Jahr hinausgezögert hat, wird mit Blick auf die Kupferpreise verständlich: Als die Privatisierung startete, kostete eine Tonne des rötlichen Metalls 7500 Dollar. Nach einem Tief im Jänner liegt der Preis schon wieder über 6200 Dollar. Da wird der Abbau sogar in teuer modernisierten Bergwerken rentabel.

Cuprom gehört zu Osteuropas größten Herstellern von Kupferwaren, die durch Elektrolyse entstehen. 1907 als Schwefelsäurefabrik gegründet, 1925 um eine Glasfabrik erweitert und in der KP-Ära auf Metallverarbeitung umgerüstet, erlangte die Raffinerie in Baia Mare im Jahr 2000 durch eine Umweltkatastrophe traurige Berühmtheit. Danach wurde sie modernisiert. Seit der KP-Ära gehört auch das Kabelwerk in Zalu zur – inzwischen privaten – Gruppe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2007)