Der ungeliebte Liebling der Republikaner

Rudy Giuliani hat gute Chancen auf die US-Präsidentschaft – falls er nominiert wird.

WASHINGTON. Amerika liebt seine Helden – und Rudy Giuliani ist einer von ihnen. Seit er als Bürgermeister von New York nach den Anschlägen am 11. September 2001 nicht in einem Bunker verschwand, sondern mitten ins Chaos beim World Trade Center trat, verehrt ihn die Bevölkerung.

Die Entschlossenheit, den Mut und die Zuversicht, die er damals zeigte, würde man auch gerne an der Spitze des Staates sehen. Und deswegen führt Giuliani alle Umfragen an, die erheben, wer die USA ab 2008 als nächster Präsident führen soll (George W. Bush darf nach zwei Amtsperioden nicht mehr kandidieren).

Der logische Kandidat

Gegen die demokratische Senatorin Hillary Clinton würde „Amerikas Bürgermeister“ mit 48 zu 42 Prozent gewinnen, ergab eine aktuelle Studie. Auch der charismatische Barack Obama hätte keine Chance: Er unterliegt Giuliani in einem direkten Vergleich mit 41 zu 46 Prozent. Damit scheint der Nachfahre italienischer Einwanderer eigentlich der logische Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu sein.

Doch die republikanischen Parteigänger können sich wenig für den Mann aus ihren eigenen Reihen erwärmen. Erst neulich stimmte eine konservative Parteigruppierung über die potenziellen Präsidentschaftskandidaten ab: Giuliani landete lediglich auf Platz zwei, den Sieg errang der wenig bekannte, dafür aber umso konservativere Mitt Romney, der ehemalige Gouverneur des Bundesstaates Massachusetts.

Die Abstimmung hat zwar keinerlei bindende Wirkung, sie zeigt aber eines deutlich: Wertekonservativismus kommt bei einem guten Teil der Republikaner besser an als Heldentum. Das musste auch John McCain erfahren, der hoch dekorierte Vietnam-Veteran und Senator aus Arizona, der sich bei der Abstimmung abgeschlagen mit dem fünften Platz zufrieden geben musste.

Turbulentes Privatleben

„Giuliani ist für das Recht auf Abtreibung, er ist für Waffenkontrolle und will homosexuellen Paaren mehr Rechte geben. Nicht unbedingt die ideale Kombination, um die republikanischen Vorwahlen zu gewinnen“, meint die Politologin Cheryl Golden (alle Personen, die sich um die Präsidentschaftskandidatur bewerben, müssen sich in sämtlichen US-Bundesstaaten einer innerparteilichen Wahl stellen. Der Sieger wird bei einem Konvent als offizieller Kandidat der Partei nominiert). Dazu kommt Giulianis Privatleben.

Er ist in dritter Ehe verheiratet, auch das nicht die beste Voraussetzung, um bei Konservativen zu punkten. In den vergangenen Tagen machte zudem sein Sohn aus zweiter Ehe, Andrew, Schlagzeilen, als er öffentlich seinen Vater wegen der unschönen Scheidung schalt: Er wolle nichts mit der Kampagne seines Vaters zu tun haben und werde ihn auch nicht unterstützen.

All das sind Hürden für Giulani auf dem Weg zur Präsidentschaftsnominierung. Kaum zu nehmende Hürden, wie ein Mitarbeiter Romneys meint: „Es gibt immer ein Aber, wenn man als Präsident kandidiert. Wenn man sich Rudy anschaut, seine Themen, seine Geschäfte, seine Familie dann gibt es bei ihm ziemlich viel Abers.“

Romney spielt das gezielt gegen den ungeliebten Liebling der Republikaner aus. In mehreren Interviews kritisierte er die liberalen Positionen seines Parteifreundes und bezeichnete ihn als „schwer wählbar für einen echten Republikaner“. Auch McCain bekam sein Fett ab: Der Senator habe einen Verfassungszusatz abgelehnt, der eine Ehe zwischen Homosexuellen verboten hätte.

Kampf um die rechte Ecke

Der Kampf um die rechte Ecke ist für die Kandidaten wichtig. Nicht, weil es zahlenmäßig so viele wären, sondern weil sie hervorragend organisiert sind. Nicht zuletzt den Ultrakonservativen verdankt George W. Bush seinen Sieg im Jahr 2004: Zu Tausenden strömten sie an die Urnen, als Bush ihnen das besagte Verfassungsverbot für Homo-Ehen versprach (von dem mittlerweile keine Rede mehr ist). Wer die religiöse Rechte mit Organisationen wie „Family Research Council“ nicht hinter sich hat, wird sich bei den Vorwahlen, die Anfang 2008 beginnen, schwer tun.

Doch die unbefleckten republikanischen Kandidaten sind rar. Romney ist ein Mormone, was viele Evangelikale kritisch bemerken. Und jetzt schockierte sogar Newt Gingrich, einst Sprecher des Repräsentantenhauses und konservatives Aushängeschild, seine Parteifreunde: Er habe, gestand Gingrich, eine außereheliche Affäre gehabt. Und das just, als er im Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton betrieb – wegen dessen Affäre mit Monica Lewinsky.

Inline Flex[Faktbox] ZUR PERSON("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2007)

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