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Kroatischer Aufrüstungs-Krimi

Männer wie General Zagorec machten Franjo Tudjmans Heer von einer leicht bewaffneten Freiwilligentruppe zu einer hochgerüsteten Armee.

ZAGREB (rath). Die Front war schon in den Kriegsmonaten Juli /August 1991 nahe an die Hauptstadt Zagreb gerückt. Serbische Truppen belagerten wenig später die ostslawonische Stadt Vukovar, griffen auch in der im westlichen Kroatien liegenden Region der Krajina und in der südlichsten Adriastadt Dubrovnik an. Kroatien stand in der Gefahr, zu zerfallen.

In dieser dramatischen Zeit waren es vor allem Polizisten und Freiwillige, die mit allen möglichen Waffen, so auch Jagdgewehren, Widerstand leisteten und versuchten, stabile Fronten aufzubauen. Eine Armee hatte Kroatien zu Beginn des Krieges nicht. Die musste nun mit aller Anstrengung aufgebaut werden.

Aus der jugoslawischen Volksarmee geflohene Offiziere und Exilkroaten bildeten zunächst das Rückgrat der neuen Armee, der viele Freiwillige zuströmten. Und diese Armee brauchte Waffen. Zwar schmuggelten Gastarbeiter und andere Freiwillige Waffen durch die Grenzen, doch das reichte bei weitem nicht aus.

Angesichts des 1991 verhängten UN-Waffenembargos gegen Jugoslawien konnten sich die Kroaten nur über den schwarzen Markt versorgen. Die serbische Seite hatte die meisten Waffen der vorher gemeinsamen jugoslawischen Volksarmee, die damals als die viertstärkste Europas galt, übernehmen können, wurde von dem Embargo also nicht betroffen.


DDR-Waffen für Tudjman

Der damalige Präsident Franjo Tudjman schickte seine Emissäre los. Noch wenige Monate zuvor hatte er seinen militärischen Berater, General Martin pegelj, entlassen, der versucht hatte, schon vor der Unabhängigkeitserklärung Kroatiens im Juni 1991 Waffen aus Ungarn zu beschaffen.

Es wurde aber nur wenig über die eingefädelten Deals bekannt; später immerhin, dass Waffen aus den Beständen der 1990 aufgelösten Volksarmee der DDR via Ungarn, Österreich und Slowenien nach Kroatien gelangten, und dass die Kroaten in Israel und Südafrika fündig wurden. „Wir hatten damals Kalaschnikows aus Rumänien, China, Russland, Gewehre aus Südafrika, den USA und so weiter,“ berichtet ein Informant.

Vladimir Zagorec wurde erst 1993 als Nachfolger von General ermak, der vorher dafür zuständig war, mit dem Waffenhandel betraut. Als Vizeverteidigungsminister und damit rechte Hand von Gojko uak, des aus Toronto stammenden Exilkroaten und Chef des Ministeriums, genoss er das höchste Vertrauen der politischen Führung. Es gelang ihm, große Mengen an Kriegsmaterial nach Kroatien zu schleusen. Bei der kroatischen Offensive im August 1995 gelang es den Kroaten, ihr Land wieder zurückzuerobern.

Waffenhandel ist ein geheimes Geschäft. Über Absprachen und Provisionen für den Unterhändler Zagorec ist dementsprechend wenig bekannt. Er soll insgesamt 360 Millionen Dollar bewegt haben, was ihm wohl einige Millionen eingebracht hat. Nachzuweisen ist ihm dies nicht, denn in dieser Grauzone werden keine Rechnungen ausgestellt. Den jetzt für die Anklage ins Zentrum gerückten Schmuck will er als Sicherheit für ein Geschäft im Wert von fünf Millionen Euro erhalten haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2007)