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Bolivien: Koka-Bauern sagen Coca-Cola den Kampf an

„Gesegnetes Blatt“ soll vor Firmen geschützt werden.

RIO DE JANEIRO. George W. Bush trinkt es (aber nur „light“), und ein paar Milliarden andere Menschen auch. Coca-Cola ist die bekannteste Marke der Welt. Nur was drin ist, weiß kaum jemand. Und ist das mit dem „Coca“ denn ernst gemeint? Kann ein US-Präsident etwas trinken, was doch ganz offensichtlich mit Kokain in Verbindung steht?

Bolivianische Koka-Bauern wollen jetzt nicht länger hinnehmen, dass ein US-Konzern mit dem Namen ihrer Pflanze weltweit Geld macht: Ein Verband der Koka-Industrie forderte die Verfassungskommission auf, im neuen Grundgesetz eine Kampfansage an Coca Cola zu verankern. „Internationale Firmen, deren Name ,Koka‘ enthält, sollen sich der Benutzung des Namens des gesegneten Blattes enthalten“, heißt es in einer Resolution.


Koka als kulturelles Erbe

Die Bolivianer pochen darauf, dass die Koka-Pflanze zum kulturellen Erbe der Anden-Nation zählt. Bereits die Inka-Könige haben Sud aus Blättern als „Getränk der Götter“ gepflegt und gefördert. Koka-Blätter findet man auf allen Märkten in den Andenländern. Die Bergarbeiter in den Silber- und Kupferminen in der dünnen Luft weit über der Baumgrenze kauen Koka-Blätter mit Pottasche, um den Hunger zu bekämpfen und wach zu bleiben.

Evo Morales, der Indio-Präsident Boliviens und Ex-Führer der Koka-Bauern, will das Kraut schon lange entkriminalisieren. Bolivien drängt deswegen auf eine UN-Resolution, den Handel mit Koka zu erlauben – mit Koka, nicht mit Kokain, das in Bolivien übrigens kaum geschnupft wird.


Chancen für Verbot gleich null

Die Aussichten, dem Konzern die Führung der Marke „Coca-Cola“ zu verbieten, sind aber gleich null. Die Zentrale in Atlanta reagierte mit der Feststellung, dass sowohl Markenzeichen wie Markenname – auch nach bolivianischem Recht – geschützt seien.

Nach Angaben der Koka-Bauern kaufte der US-Konzern übrigens noch vor wenigen Jahren jährlich mehrere Tonnen Koka-Blätter. Ob diese zur streng geheimen Rezeptur der Limonade gehören, ist aber weiter unklar. Die US-Firma wiederholte nur Dementis, dass Kokain in dem Getränk enthalten sei. Ob das Koka-Blatt selbst zur Rezeptur gehört, darüber schweigt man sich nach wie vor aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2007)