ÖVP-Staatssekretärin Marek plädiert für die rechtliche Anerkennung. Denn momentan gilt in Österreich Prostitution noch als sittenwidrige Tätigkeit.
Wien. Bisher hat sich die ÖVP bei diesem Thema zurückgehalten, nun aber wagt Wirtschafts-Staatssekretärin Christine Marek einen Vorstoß für die rechtliche Anerkennung von Prostituierten: „Ich bin der Überzeugung, dass durch die Anerkennung von Sexarbeit als Arbeit die Rechte von Sexarbeiterinnen besser geschützt werden könnten und damit auch ihre realen Lebens- und Arbeitsbedingungen verbessert würden“, sagte Marek der „Presse“.
Der Zeitpunkt des Vorstoßes kommt nicht von ungefähr: Marek nimmt bei der heute, Freitag, stattfindenden Eröffnung der „38. Fachtagung Prostitution“ in Wien teil. Momentan gilt in Österreich Prostitution als sittenwidrige Tätigkeit. Die Folgen: Sexarbeiter sind darauf angewiesen, dass der Kunde freiwillig zahlt, denn das Entgelt kann nicht eingeklagt werden. Prostituierte genießen auch keinen arbeitsrechtlichen Schutz. Steuern müssen sie aber zahlen. Es wäre begrüßenswert wenn die Rechtslage, die sich derzeit in einem Graubereich befindet, überdacht werde, so Marek. Sieselbst sehe ihre Aufgabe aber darin, Frauen wirtschaftliche Möglichkeiten zu bieten, die ihnen auch die Wahl anderer Berufe offen lassen.
Wenn die ÖVP will, dann könnte die Lage für Prostituierte schon bald verbessert werden, heißt es aus der SPÖ. Die Sozialdemokraten plädieren schon länger für eine Gesetzesänderung: „Ich würde mich dabei am deutschen Modell orientieren“, betont SP-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek. Dort ist Prostitution ein regulärer Beruf: Sexarbeiter können ihren Lohn einklagen, angestellt werden und Arbeitslosengeld beziehen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2007)