Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Quotenregelung für Männer Kindergärtner sind gefragt

GESCHLECHTERROLLEN. Wie wichtig sind männliche Pädagogen?

WIEN (hes).Dass Kinder bis zur Pubertät alle im Schnitt die gleichen Berufswünsche hegen, sich das aber mit der Pubertät geschlechtsspezifisch ändert, davon ist Erich Lehner, Geschlechterforscher an der Uni Klagenfurt überzeugt.

Mit der Pubertät wurden Mädchen auf Berufswünsche umsatteln, die sich mit einer Familie vereinbaren lassen, und Buben bei ihren nach vorwiegend ökonomischen Gesichtspunkten gewählten Traumberufen bleiben. Um sich bei einer Beeinflussung der Kinder die Vorbildwirkung zu Nutze zu machen, brauche es aber nicht männliche Kindergärtner und Volksschullehrer, sondern eher weibliche HTL-Lehrer.

Ein Ansatz dem Doris Palz entschieden widerspricht. Sie leitete im Auftrag des Sozialministeriums ein Projekt, das sich mit wissenschaftlichen Grundlagen der Buben- und Burschenarbeit beschäftigte und gelangte dabei zu völlig anderen Ergebnissen.

Aus ihrer Erfahrung als Mutter wisse sie genauso wie aus zahlreichen Studien, dass sich die Berufswünsche von Jungen und Mädchen bereits im Kindergartenalter geschlechtstypisch unterscheiden. „Lehrerin, Kindergärtnerin, Ärztin“ bei Mädchen und etwa „Mechaniker, Techniker, Rennfahrer“ bei den Buben.

Ihr Forscherteam sei weiters zum Ergebnis gelangt, dass es sehr wohl einen Unterschied macht, ob männliche Erzieher oder Lehrer tätig sind oder nicht.

Demnach ist eine männliche Bezugsperson bereits im Kindergarten maßgeblich. Denn dort zeige sich schon, dass die Entwicklung der Geschlechtsidentität bei Buben umso besser verlaufe, je bewusster beide Elternteile ihr geschlechtsspezifisches Verhalten vorleben. Mit dem Besuch des Kindergartens wirke ein erweitertes Sozialisationsfeld auf die Geschlechtsidentität ein. Die Präsenz männlicher Bezugspersonen sei insbesondere im Vorschulalter und in der Pubertät wichtig.

Die Erhebungen zeigten, dass Männer für Buben Vorbildfunktion erfüllen. Wenn der Vater oder eine andere männliche Bezugsperson in der frühen Phase der männlichen Identitätsentwicklung fehlen, werden die Ideale etwa aus den Medien prägend und diese Prägung erfolge dann wiederum sehr entlang konventioneller Rollenklischees. Als Beispiel werden in der Studie Rambo und Terminator genannt.

Die Männer in der österreichischen Bildungslandschaft sind derzeit allerdings eher schwach vertreten. So waren etwa noch im Jahr 2003 nur 0,8 Prozent der Beschäftigten in Kindergärten männlich.


Geschlechtertrennung sinnvoll

Die Studie empfiehlt ausdrücklich den deutlichen Mangel an männlichen Bezugspersonen in den Mittelpunkt politischer Maßnahmen zu rücken und denkt hier sogar eine Quotenregelung an, die eine qualifiziert begründete Bevorzugung von Männern bei der Ausbildung bedeuten würde. Aber auch positive Effekte einer geschlechterspezifischen Trennung in machen Unterrichtsfächern werden von der Studie bestätigt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2007)