Stadtbild: Albertinaplatz, reloaded

Wilhelm Holzbauer legt einen Plan für die Umgestaltung der Grünfläche vor der Wiener Albertina vor.

Wien. Zugegeben, trübes Märzwetter steht keinem Park. Wobei, wirklich gut sieht die baumbestandene Grünfläche („Park“ ist hier ein großes Wort) vor dem Albertina-Museum ja nie aus: Bäume und Büsche wachsen lose nebeneinander, ein kleiner Metallzaun verwehrt den Zutritt. Menschen, wohlgemerkt. Hunde, das sieht man, sind öfter da.

Dabei ist der Platz, der an sich namenlos ist, aber umgangssprachlich „Albertinaplatz“ heißt (obwohl der ein Stück weiter vorne endet – siehe Grafik), ein bedeutender. Einerseits historisch: Hier stand der 1945 zerbombte Philipphof (siehe Kasten), hier steht Alfred Hrdlickas Mahnmal gegen Krieg und Faschismus. Andererseits städtebaulich: Gelegen zwischen Oper und Burggarten öffnet er die Innenstadt zum Ring. Zwei Millionen Menschen, so rechnet Albertina-Direktor, Klaus Albrecht Schröder, vor, kommen hier pro Jahr vorbei.

Denen und wohl auch sich selbst will Anrainer Schröder einen würdigeren Anblick bieten. Auf seine Initiative entwarf der renommierte Architekt Wilhelm Holzbauer einen Plan zur Umgestaltung des Platzes. Die wichtigsten Veränderungen:

•Der Park wird durchgängig gemacht, zwischen den Bäumen führen gepflasterte Wege.

•Der derzeitige Grün-Mix (Birken, Koniferen etc.) wird durch geometrisch angeordnete, einheitliche, „urbane“ Bäume (© Holzbauer), etwa Kugelahorn, ersetzt. „Im Ergebnis würden die Besucher unter einer grünen Decke spazieren. Auch Bänke wären möglich“, so der Architekt.

•Falls möglich, würde Holzbauer auch den Vorplatz mit den vorhandenen Steinen neu verlegen lassen. Dabei sollen die Objekte Hrdlickas durch eine Stein-Achse im Boden verbunden werden.

Scheitern am Baumgesetz?

Allerdings hat das Projekt ein paar Schönheitsfehler. Denn obwohl sich Stadtentwicklungs-Stadtrat Rudolf Schicker (S) und Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (V) angetan zeigen, bei den Kosten (mindestens 200.000 €, jedenfalls unter einer halben Million) verweist man auf den jeweils anderen. Schröder selbst will Sponsoren suchen. Stenzel jedenfalls würde dafür plädieren, dass das Vorhaben nach der Fußball-EM, im Rahmen der Sanierung der Kärntner Straße, umgesetzt wird.

Mehr Probleme als die Finanzen dürfte aber Wiener Baumschutzgesetz bereiten: Denn so einfach kann man in Wien keine Bäume fällen. Im Anlassfall müsste „das öffentliche Interesse an der Verwirklichung des Projekts überwiegen“ und zusätzlich müssten neue Bäume gesetzt werden und zwar im Umkreis von 300 Metern. Das Problem hier: Der Ersatz erfolgt nicht 1:1, sondern je höher der gefällte Baum, desto mehr neue Bäume müssen ihn ersetzen. Falls nicht, werden Ausgleichsabgaben fällig. Variante eins geht sich räumlich nicht aus, Variante zwei ist zu teuer.

Stenzel jedoch ist zuversichtlich, dass das Projekt nicht „im bürokratischen Dickicht“ hängen bleibt. Dass die Anrainer dagegen sein könnten, glaubt übrigens niemand. Und die Hunde werden wohl nicht gefragt.

Inline Flex[Faktbox] HISTORIE("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.03.2007)

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