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"Berliner Erklärung": Papst rügt fehlenden Gottesbezug

Europa verleugne sich selbst, wenn es seine christlichen Wurzeln vergesse, sagt Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. hat einen fehlenden Gottesbezug in der "Berliner Erklärung" und weiteren Deklarationen zum 50-jährigen Jubiläum der EU gerügt. Der Papst sagte, Europa verleugne sich selbst, wenn es Gott und seine christlichen Wurzeln vergesse. Damit ziehe Europa seine eigene Identität in Zweifel. Wenn die Regierungen der EU-Staaten die Distanz zu den Bürgern abbauen wollten, "wie können sie ein so für die Identität Europas wichtiges Element wie die Christenheit auslassen, mit dem sich die große Mehrheit seiner Bürger weiter identifiziert", sagte der aus Deutschland stammende Papst.

Vor dem Jubiläumsgipfel der Europäischen Union in Berlin sprach sich auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, für einen Gottesbezug in der geplanten EU-Verfassung aus. Das europäische Menschenbild beruhe "auf der Überzeugung, dass Gott den Menschen nach seinem Bilde geschaffen hat", schrieb Huber in Beitrag für die "Bild am Sonntag". Daraus ergebe sich die "unantastbare und unveräußerliche Würde" des Menschen.

Durch die "Berliner Erklärung" soll die Bedeutung der EU in der Vergangenheit und für die Zukunft unterstrichen werden. Einen Gottesbezug gibt es in dem Dokument nicht. Die christdemokratische Europäische Volkspartei (EVP) betonte jedoch bei einem Vorbereitungstreffen zum Jubiläumsgipfel das christlich-jüdische Erbe der EU in einer eigenen Erklärung zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge.

Islamische Gemeinschaft: "Inkludierender" Gottesbezug

In Österreich nahm die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) zur Frage eines Gottesbezugs Stellung. Dies könne "einzig in einer Form geschehen, die nicht impliziert, eine einzelne bestimmte Religion sei hier gemeint", teilte die IGGiÖ am Samstag mit. Außerdem hätten auch Denker des Islam wesentlichen Anteil daran gehabt, das hellenistische Erbe zu bewahren und der Aufklärung wesentliche Impulse zu geben.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft halte es jedoch "für sinnvoller, weniger den Gottesbezug zu formulieren, als vielmehr das aus dem Glauben oder auch aus der Weltanschauung entspringende Verhalten eines sozial verträglichen und verantwortlichen Miteinanders anzusprechen, das religiösen oder aus anderen Motiven verantwortungsvoll denkenden Menschen zu eigen ist und die Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft bildet". (Ag.)