Zwischentöne: Stützen unseres Musiklebens

Kurt Rapf und Ernst Haefliger waren zwei Vollblutmusikanten, die unvergessen bleiben.

Zwei stille Große sind von uns gegangen. Im Lärm des Tagesgeschäfts und des glamourösen Starkults drohen solche Nachrichten gern vergessen zu werden. Und doch: Wie wären videotaugliche Konzert- und Theater-Ereignisse möglich ohne die liebevolle und kundige Aufbauarbeit von Meistern vom Schlage eines Kurt Rapf, der wenige Wochen nach seinem 85.Geburtstag in Wien gestorben ist?

Er war ein Vollblutmusikant, dessen stets von Humor getragene, verbindliche Lebensart Generationen von Kollegen zu einem produktiven Miteinander animieren konnte. Erneuerungsgeist war seiner energiegeladenen, doch niemals überbordenden Wesensart offenbar angeboren. Oder zugewachsen in den wirren Zeiten, in denen der Künstler groß geworden war. Die Musizierleidenschaft Kurt Rapfs musste sich während der Ära des Nationalsozialismus und in den Aufbaujahren unmittelbar danach entfalten. Schon 1945, gleich nach Beendigung des Studiums, gründete er sein Collegium musicum, ab 1953 agierte er höchst fruchtbringend als Musikdirektor der Stadt Innsbruck, später übernahm er Organisations- und Inspirationsaufgaben in Wien. Die Förderung junger Musiker, Interpreten wie Komponistenkollegen, stand stets im Mittelpunkt seines Wirkens. Obwohl parallel dazu ein immenser Werkkatalog anwuchs, der Rapf als fantasievollen Schüler der Schönberg-Generation auswies, der die Zeichen der Zeit zu deuten wusste und seine Musik mit etlichen Anregungen aus dem nach 1945 immer bedeutender werdenden französischen Sprach- und Klangraum auffrischte.


Zu gedenken ist auch des Tenors Ernst Haefliger, der im 88.Lebensjahr in Davos gestorben ist, auch er aktiv und um den jugendlichen Nachwuchs bis zuletzt bemüht, dem nicht zuletzt die Lehrtätigkeit der vergangenen Jahrzehnte, ein weises Buch über Gesangstechnik und – im Vorjahr erstmals abgehalten – ein nach Haefliger benannter Wettbewerb in Bern und Gstaad galten. Die schlanke, klug und ungemein wortdeutlich geführte Stimme machte den Tenor zu einem der begehrtesten Interpreten der Bachschen Evangelisten, von Mozarts Tenor-Partien und Schuberts Liedern, denen seine besondere Liebe galt. Noch im legendären Münchner „Tristan“, den Lorin Maazel zur Wiedereröffnung des Prinzregententheaters dirigierte, war Haefliger 1996 selbst – als Hirt – auf der Bühne gestanden. Hohe technische Meisterschaft ermöglichten dem Künstler bis zuletzt, aktiv zu sein. Und bleiben dem Nachwuchs nachahmenswert. Haefligers reicher Aufnahmenachlass wird den Nachruhm eines Künstlerlerlebens sichern, das exemplarisch den Wert grundlegender Ausbildung und ausdauernder Arbeit für den Erhalt eines reichen europäischen Musiklebens belegt.


wilhelm.sinkovicz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2007)

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