USA: Traumblick, Nervenkitzel inklusive

Der Grand Canyon hat mit seinem gläsernen „Skywalk“ eine neue, jedoch heftig umstrittene Attraktion.

„Das war mein Spielplatz“, sagte Dolores Honga dem Fernsehsender ABC und zeigte mit einer Handbewegung in das Tal. Gemeinhin ist Dolores' Spielplatz als „Grand Canyon“ bekannt. Doch als die 71-Jährige ein Kind war, verirrten sich noch kaum Touristen in das bekannteste Tal der Welt. Auch jetzt ist das Reservat der Hualapai-Indianer (ausgesprochen wie „Wallupi“) fast touristenfrei.

Doch das soll sich mit einer neuen Attraktion ändern und den Indianerstamm endlich mitnaschen lassen an den Millionen Dollar, die Menschen jedes Jahr ausgeben, um den Grand Canyon zu sehen. „Skywalk“ nennt sich die gläserne Brücke, die heute, Mittwoch, eröffnet wird und Besuchern einen einmaligen Blick in das längste Tal der Welt inklusive Nervenkitzel verschaffen soll. Die hufeisenförmige Brücke ragt 25 Meter über den Rand, der Boden ist aus Glas, mit freier Sicht auf den Talboden 1200 Meter tiefer.

„Es war wunderbar“, erzählte der Astronaut Buzz Aldrin, der vergangene Woche den Jungfern-Gang machen durfte. Andere bezeichneten es als einen „Rundflug“ über den Canyon. Ab Mittwoch bezahlt man für den Gang über den Glasboden 25 Dollar, mit Mittagessen sind es 49.

30 Millionen Dollar hat die Konstruktion gekostet. Da der Indianerstamm nicht über die Mittel verfügte, streckte ein Geldgeber aus Las Vegas die Summe vor und kassiert dafür 25 Jahre lang einen Teil der Einnahmen. Die Hualapai hoffen auf 600.000 Besucher pro Jahr und darauf, dass sie mit den Ticketverkäufen endlich eine ordentliche Schule finanzieren, die Gesundheitsversorgung verbessern, die verfallenen Hütten modernisieren und jungen Stammesmitgliedern Jobs geben können.

„Geheiligter Boden entweiht“

Für manche ist Geld jedoch nicht so wichtig wie Tradition. „Das ist geheiligter Boden, hier starben unsere Vorfahren“, klagte Honga. Man entweihe diese Stätte mit der Touristenattraktion. Auch Umweltschützer kritisieren, dass die Glas- und Stahlkonstruktion eine der spektakulärsten Landschaften der Erde störe. Dass der Bau überhaupt möglich war, geht auf die große Autonomie zurück, die Indianern in ihren Reservaten zugestanden wird. Überall sonst wäre die Brücke über dem Canyon aufgrund des Landschaftsschutzes verboten worden.

„Wir bekommen keine finanzielle Hilfe von außen“, erklärte dagegen Dallas Quasula, einer der Stammesälteren der Hualapai. Will man den Stamm erhalten, müsse man Zugeständnisse machen, auch wenn es weh tut. „Der Skywalk ist für uns Butter und Brot.“

Inline Flex[Faktbox] LEXIKON. „Skywalk“("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2007)

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