Statistik. Höhere Zinsen für kurzfristige Einlagen. Banken verdienten 2006 wieder besser.
Wien (dom).Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen von November 2005 bis jetzt von zwei auf 3,75 Prozent erhöht. Kreditnehmer müssen also mehr berappen. In Österreich sind Kredite allerdings laut einer Statistik der EZB bzw. der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) noch immer billiger als in Deutschland. Dazu trägt der scharfe Wettbewerb ebenso bei wie die Konkurrenz durch die zinsgünstigen Fremdwährungskredite, die im Ausland kaum angeboten werden.
Langfristige Wohnbaukredite kosten im Nachbarland im Schnitt 5,19 Prozent, in Österreich nur 4,64 Prozent. Für Konsumkredite zahlt man in Deutschland 6,06 Prozent, in Österreich 5,35 Prozent. Ebenfalls günstiger finanzieren sich heimische Firmen, die für langfristige Kredite im Schnitt 4,36 Prozent Zinsen zahlen, während die Zinsbelastung in Deutschland im Schnitt. 4,94 Prozent ausmacht. Der Zinsvorteil für Österreichs Kunden ist 2006 allerdings geschrumpft, da der Löwenanteil der Kredite variabel verzinst ist. Hierzulande schlagen die Zinserhöhungen durch die EZB deshalb schneller durch als in Ländern, wo fix verzinste Kredite dominieren, sagte OeNB-Direktor Peter Zöllner am Dienstag bei einer Pressekonferenz.
Anders ist die Situation bei den Einlagen. Die hohe Anzahl der langfristig gebundenen Kapitalsparbücher und die nur langsam reagierenden Einlagenzinsen der Bausparkassen führten dazu, dass der Durchschnittszinssatz für Laufzeiten von mehr als zwei Jahren im Vorjahr in Österreich sogar minimal auf 2,97 Prozent sank.
Direktbanken legen kräftig zu
Deutlich gestiegen sind hingegen die Zinssätze für kürzerfristige Einlagen, sie lagen Ende 2006 bei 2,56 Prozent. Mit dazu beigetragen haben die Marketingoffensiven von Direktbanken à la ING-Diba, Diese filiallosen Institute zahlen für täglich fälliges Geld relativ hohe Zinssätze, die traditionellen Banken müssen mitziehen. Während die Direktbanken im Kreditgeschäft noch praktisch bedeutungslos sind, konnten sie ihren Marktanteil bei Sichteinlagen im letzten Jahr fast verdoppeln. Er liegt nun laut Zöllner bereits bei 6,2 Prozent.
Auslandstöchter immer wichtiger
Österreichs Banken haben im Vorjahr ein Betriebsergebnis von 5,82 Mrd. Euro erwirtschaftet, um 3,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Anteil des Gewinns, den die Auslandstöchter der Banken beisteuern, wächst rasant. Er lag 2004 bei 34 Prozent, 2005 bei 41 und im Vorjahr bereits bei 45 Prozent. Kräftig zugelegt haben auch die Marktanteile der österreichischen Bankentöchter in Zentral- und Osteuropa.
Inline Flex[Faktbox] STEIGENDE LEITZINSEN("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2007)