Auf Reagans Spuren: Fred Thompson mischt das Feld republikanischer Präsidentschaftskandidaten auf.
Washington. Man kennt ihn aus Filmen wie „Jagd auf Roter Oktober“, „Stirb langsam 2“ oder als Staatsanwalt in der aktuellen US-TV-Serie „Law and Order“. Möglicherweise sieht man ihn auch bald als republikanischen Präsidentschaftskandidaten: Denn Fred Thompson, ehemaliger Senator aus dem Bundesstaat Tennessee, ist die große Überraschung bei einer aktuellen Umfrage zu möglichen Kandidaten.
Der Schauspieler belegte mit zwölf Prozent Platz drei in einer Befragung von knapp 500 republikanischen Parteigängern. Geschlagen wurde er nur von Rudy Giuliani (31 Prozent) und Senator John McCain (22 Prozent). Dabei hat Thompson noch nicht einmal bekannt gegeben, ob er überhaupt kandidiert. Er wolle „nichts ausschließen“, hatte er Anfang des Monats lediglich als einer von vielen Kandidaten erklärt.
Dass er in der Befragung der Zeitung „USA Today“ so gut liegt, dafür gibt es zwei Erklärungen. Eine ist schmeichelhaft, eine weniger. „Jeden Woche sehen ihn mehr Menschen im Fernsehen, als tatsächlich an der Vorwahl teilnehmen“, erklärte Rich Galen, republikanischer Politstratege. Natürlich sehe man einen TV-Star gerne als Kandidaten.
„Er kann die Nation einen“
Die politisch schmeichelhaftere Variante vergleicht Thompson mit Ronald Reagan. „Er hat die Fähigkeit, konservative Werte ins Oval Office zu bringen, mit den Amerikanern zu kommunizieren und unsere Nation zu einen“, heißt es auf der Webseite fred08.com, die Fred Thompson dazu bringen will, zu kandidieren. Dem Ruf schließen sich auch einige prominente Republikaner an, darunter Bill Frist, früher republikanischer Mehrheitsführer im Senat.
Der 64-jährige Thompson war Anwalt und Lobbyist, bevor er 1994 für den US-Senat kandidierte. George W. Bush überlegte im Jahr 2000, ihn zum „running mate“ für das Amt des Vizepräsidenten zu machen. 2002 schied Thompson aus dem Senat aus und widmete sich seiner Schauspielerkarriere, blieb aber politisch aktiv.
Wie gut Thompson in direkten Konfrontationen liegt, zeigt eine aktuelle Untersuchung des „Rasmussen Report“: Senatorin Hillary Clinton würde er in einem Präsidentschaftsrennen mit 44 zu 43 Prozent schlagen. Gegen Barack Obama unterläge er allerdings mit 37 zu 49 Prozent. Wer also glaubt, dass zwar ein Schauspieler Präsident, nicht aber ein Senator erst Schauspieler und dann Präsident werden kann, könnte sich täuschen.
Alternativen gesucht
„Kein Bewerber für die republikanische Präsidentschaftsnominierung hat eine deutliche Mehrheit“, sagte Galen. „Zwei Drittel der Parteimitglieder wünschen sich Alternativen oder andere Optionen als die immer wieder genannten Favoriten.“ Das öffne die Tür für Kandidaten wie Thompson auf republikanischer oder Al Gore auf demokratischer Seite.
Thompson reagiert auf all das, wie ein Schauspieler nur selten reagiert: Er schweigt. Er werde sich nicht auf ein Datum für eine Bekanntgabe einer Kandidatur festlegen, hatte er im Fernsehsender „Fox“ betont. „Gelegentlich öffnen sich für mich Türen und wenn ich durchging, dann hat sich das für mich immer gut ausgewirkt. Ich warte einfach, was passiert.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2007)