Jörg Haider über "FC Kärnten neu": „Eine historische Chance“

Interview. Warum Jörg Haider der Fusions-Vorschlag aus Pasching für Kärnten so wichtig erscheint und der „FCK-Neu“ in der Bundesliga nur mit Applaus zu empfangen ist.

Die Presse:Seit wann liefen die Gespräche mit Pasching-Präsidenten Franz Grad wirklich? Und wann war es tatsächlich um eine Fusion mit FC Kärnten bestellt?

Jörg Haider: Die Gespräche liefen schon seit einigen Monaten, ich kenne den Franz Grad seit zwanzig Jahren, vom Tennis spielen. Ich hatte ihn einmal gebeten, sich ein Urteil über den FC Kärnten zu machen und er hat mir gesagt: Du, wart noch ein bisserl, ich habe einen Vorschlag für dich. Er hat mir dann das Angebot der Fusion gemacht. Er hat es rechtlich prüfen lassen, denn natürlich sind wir daran sehr interessiert, wieder in der Bundesliga zu spielen. Ich habe ihm gesagt: Ich will und wir haben es per Handschlag besiegelt! Wie es sich unter echten Präsidenten gehört.

»"Wir übernehmen alle Spieler, außer denen, die für den Lask spielen wollen."«

Welche Rahmenbedingungen wurden vereinbart, welche Spieler kommen mit aus Pasching?

Haider: Es wurden Bedingungen festgelegt, wie der Verein Pasching frei zur Übernahme und der Fusion wird. Wir übernehmen auch alle Spieler, außer denen, die für den Lask spielen wollen.

Wie glauben Sie, werden die Fans – sowohl in Pasching als auch Klagenfurt – reagieren?

Haider: Also in Kärnten ist die Begeisterung, auch angesichts der Euro, enorm. In Pasching ist das freilich anders, aber Franz Grad hat mir gesagt, dass ohnedies viele im Sog des Lask sind.

Wie schätzen Sie die Situation um den GAK ein, wie kann ein Verein 15 Millionen € Schulden anhäufen?

Haider: Das frag ich mich auch, das ist mir ein Rätsel, ehrlich. Das ist schwierig, weil normalerweise die Banken doch da dahinter sind. Es ist eigenartig, aber gerade deswegen sollte uns die Bundesliga mit Applaus empfangen – wir stehen für Transparenz.

Ist Ihrer Meinung nach das Lizenzierungsverfahren schuld an diesem „Theater“?

Haider: Es sieht alles sehr problematisch aus, vor allem, weil man erst dann, wenn die Hütte längst brennt, die Sanktionen zu kennen scheint. So ist es nicht von sehr großem Wert, das Lizenzierungsverfahren.

»"Unser Modell ist das Gegenteil zum GAK: Zwei ökonomisch denkende Menschen haben die Weichen dafür gestellt."«

Wo ist aber das wirkliche Problem, wie können zwei Insolvenzen innerhalb einer Saison passieren?

Haider: Naja, das Problem in unserem Fußball ist es anscheinend, dass die Vereine über ihren Verhältnissen leben. Zwei Mäzene – Frank Stronach und Didi Mateschitz – investieren, und das täuscht eben viele. Und in Anbetracht der Gier, um ja auch jede Chance zu wahren, verschulden sich die Vereine.

Und wie laufen jetzt die Vorbereitungen beim „FCK-Neu“ an?

Haider: Anfang Mai ist endgültig alles unter Dach und Fach! Franz Grad ist ein guter Kaufmann, er weiß, was er tut. Es ist alles nachvollziehbar, und vor allem sauber! Fußball ist ein wirtschaftliches Phänomen, aber es muss transparent sein. Kärnten muss das im Euro-Jahr unbedingt nützen. Und unser Modell ist das Gegenteil zum GAK: Zwei ökonomisch denkende Menschen haben die Weichen dafür gestellt. Es ist unbedenklich in allen Kategorien.

Für Kärnten ist diese Chance eigentlich ein Elfmeter, ist er aber tatsächlich „aufgelegt“?

Haider: Keine Frage! Wir haben die Möglichkeit, unsere Vision eines FCK-Neu praktisch über Nacht zu verwirklichen. Wir spielen in einem EM-Stadion, dem einzig neu gebauten für die Euro 2008, das ist doch toll! So etwas lässt sich niemand entgehen!

»"Beim Trainer, da habe ich keine Priorität. Aber mit Walter Schachner hätte ich schon eine Freude."
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In der Vergangenheit war auch beim FC Kärnten nicht immer alles astrein . . .

Haider: Ja, es gab Probleme, und deshalb bin ich jetzt wieder eingestiegen. Aber ich werde nicht wieder als Präsident auftreten, sondern nur helfen, dass etwas entstehen kann. Der FCK soll gut dastehen und auch die Stadt Klagenfurt hat alle Beschlüsse gefasst, dem Verein im EM-Stadion zu helfen. Beim Merchandising, bei Namensrechten etc. Und der neue FCK bekommt eine starke Führung. Das ist der große Vorteil.

Sie werden nicht als Präsident auftreten, gibt es aber schon Namen betreffend Klubführung und Trainer?

Haider: Akhim Türesim ist ein Kandidat, der die Spitze einiger wichtiger Unternehmer innerhalb des Vereines übernehmen kann. Er hat ja auch mit seiner Firma die Merchandising-Rechte für Heimtextilien bei der Euro 2008 erhalten. Ich, ich will nur helfen. Und beim Trainer, da habe ich keine Priorität. Aber mit Walter Schachner hätte ich schon eine Freude.

Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider und der Unternehmer Franz Grad sind über eine Fusion der Vereine Kärnten und Pasching einig. Der FCK kehrt nächste Saison in die Bundesliga zurück, Pasching verschwindet. Das Angebot wurde per Handschlag besiegelt und Grad schriftlich vorgelegt. Für den "FCK-Neu" sind gesamt 5 Millionen € budgetiert.

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