Religion und Sport: Der fromme Wunsch nach Ehrlichkeit

Nicht nur für Pater Bernhard Maier stellt Sport ein Faszinosum dar. Warum aber just am Karfreitag in Österreich Fußball gespielt wird, ist ihm ein Rätsel.

Glaube, Vision, Ziele, Hoffnung, Miteinander, Angst, Freude, Kraft, Hilfe – Begriffe, die unseren Alltag auf Schritt und Tritt begleiten. Sie treffen aber auch sowohl für den Spitzensport als auch die Religion zu. Und für Pater Bernhard Maier, er ist seit Jahrzehnten Österreichs Olympia- und Paralympics-Seelsorger, ist das auch gut so. Jeder Mensch müsse schließlich Ziele haben, vor allem müsse er danach trachten, „dass er das Leben als Miteinander“ verstehe. Es sei definitiv nicht sinnvoll, sein Lebens im Alleingang dahinplätschern zu lassen.

Jeder Mensch, sagt Bernhard Maier hat (s)einen Glauben. „Der eine glaubt an Gott, an ein höheres Wesen, ein anderer glaubt halt an Nix. So ist es auch im Sport, der Glaube ist essenziell.“ Man habe Ziele, Wünsche, „will Leistung bringen und Erfolg haben. Das ist super, aber der rein sportliche Egoismus ist zu verurteilen. Auf Kosten anderer zu gewinnen und Regeln zu brechen, das ist doch Zerstörung.“

Was Pater Maier, er ist Leiter des Don Bosco-Gymnasiums in Unterwaltersdorf, besonders stört dieser Tage, ist ein jährliches Phänomen. Es ist der laufende Spielbetrieb der Fußball-Bundesliga am Karfreitag. Austria Lustenau und auch Admira, sagt er, hätten die Bundesliga gebeten, dass heute, am Karfreitag, keine Spielrunde ist – ihre Wünsche aber wurden nicht erhört. „Warum? Sie wollten nicht, müssen aber spielen? Am Karfreitag, dem Todestag Jesu, dabei hat doch er unsere europäische Welt human geprägt!“

Bernhard Maier ist irritiert, es ärgert ihn. Dass für Moslems von Firmenchefs viele Eingeständnisse gemacht werden, findet auch er sehr gut, nur warum funktioniere es nicht fürs Christentum – in der Bundesliga? Warum aber die Vereine nicht schon viel früher oder gleich bei der Planung des Spielbetriebes laut aufgeschrien haben, wusste auch Maier nicht. „Es geht mir um den Schutz der humanen Werte, die gerade der Sport bräuchte, wo es doch immer wieder Gewalt und Betrug gibt.“ Auch Spitzensport sei mit Moral zu betreiben, heute mehr denn je, vor allem mit Rücksichtnahme auf seinen Nächsten. Maier nennt dafür die „Goldene Regel“: Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg' auch keinem andern zu...

Sport hat für Kinder eine durchaus prägende Folgewirkung. Jugendliche suchen schließlich nach Vorbildern, Idolen. Was aber passiert, wenn diese Helden, diese „Gladiatoren“ betrügen? Wo sei da die Vorbildwirkung, es werde genau das Gegenteil erwirkt. „Sport darf seine Ehrlichkeit nie verlieren“, mahnt Maier, denn dafür sei jeder Einzelne „von uns zu wertvoll“. Sauberkeit und Menschlichkeit müssten oberste, unanfechtbare Prinzipien bleiben. Nur damit sei das Faszinosum Sport gerechtfertigt. „Gott sei Dank kenne ich so viele faire und ehrliche Spitzensportler, dass ich ganz fest davon überzeugt bin, dass es prinzipiell möglich ist: Spitzensport und Fairness. Vom sogenannten sportiven Egoismus halte ich überhaupt nichts.“

Noch ein Punkt lag Maier ganz besonders am Herzen, denn Sport dürfe nicht mit Religion verwechselt werden. „Es ist ein Blödsinn. einen Fußballklub als Religion zu verstehen. Ein Fußballspiel kann in der Not nie helfen oder Antworten geben. Sport ist eine Weltanschauung – aber keine Religion!“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.04.2007)

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