Das Ehepaar Wolf hat steuerlichen Erklärungsbedarf.
Wien. 87.600 Euro hat der Eurofighter-Lobbyist Erhard Steininger an die Firma überwiesen, die Luftwaffenchef Erich Wolf und seiner Frau gehört. Laut Anna Maria Frühstück-Wolf handelt es sich dabei um ein Darlehen, für das Steininger „irgendeine Rechnung“ verlangt habe. Diese wurde auch ausgestellt, Wolf hatte am 18. 12. 2002 die „Anzahlung für ein Marketingkonzept“ verrechnet, die Überweisung erfolgte dann am 20. 12. Die Darstellung von Frau Wolf wirft viele Fragen auf:
Wenn es ein Darlehen war, dann hätte es zumindest etwas schriftlich geben müssen, so der Steuerexperte Werner Doralt. Und es hätte die Kreditsteuer von 0,8 Prozent abgeführt werden müssen. Auch in der Bilanz müsste das Darlehen als solches aufscheinen – wenn das Geld entsprechend der Rechnung als Einnahme verbucht wurde, wäre der Tatbestand der Bilanzfälschung erfüllt.
Die Frage dabei ist freilich: Warum hat Wolf eine Mehrwertsteuerrechnung gestellt und damit auch die Steuer abgeführt, wenn es sich um ein Darlehen handelte? Dies wäre ja in dem Fall eine völlig unsinnige Vorgangsweise.
Wenn es sich aber um gar kein Darlehen handelt, sondern – was wahrscheinlicher ist – um eine Schenkung, dann befindet sich das Ehepaar Wolf erst recht in der Bredouille: Denn dann handelt es sich um eine Geschenkannahme. Abgesehen davon, dass dafür Schenkungssteuer zu entrichten gewesen wäre, stellt sich dann die Frage nach dem Zusammenhang mit dem Eurofighter-Auftrag. Wolf war in der Bewertungskommission für die Abfangjäger-Beschaffung und hat sich dort für den Eurofighter stark gemacht. Der Verdacht, dass es sich um Bestechungsgeld gehandelt haben könnte, ist zumindest nicht ganz von der Hand zu weisen. In dem Fall hätte auch Steininger ein Steuerproblem, da Bestechungsgeld nicht absetzbar ist. Aber das ist wohl nur ein Nebenaspekt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2007)