Der Neffe Stefan Ottrubay machte in wenigen Jahren aus einem „Fürstentum“ einen Groß-Konzern. Bis zum Haydn-Jahr 2009 werden Millionen in die Sanierung von Schlössern und Burgen investiert.
Das Wenigste, was Stefan Ottrubay in diesen Apriltagen brauchen kann, sind Streitigkeiten innerhalb der Fürstenfamilie Esterhazy. Der 52-jährige Generaldirektor der fürstlichen Stiftungsgruppe hat andere Prioritäten. Am Dienstag wurde die Vorstandsebene des reichsten burgenländischen „Konzerns“ erweitert und zukunfts-fit gestaltet. Ottrubay, Neffe der 87-jährigen Fürstin und Alleinerbin Melinda, holt sich drei Experten an Bord, die im Vorstand wichtige Bereiche abdecken werden: Der Jurist Ernst Wunderbaldinger wird für die Bereiche Finanzierung, Ostexpansion und die Forstwirtschaft zuständig sein; Georg Formanek verstärkt die Bereiche Immobilienverwaltung und Immobilien-Entwicklung; Christian Mayer schließlich, Chef der Fürstlich Esterhazyschen Stiftung Schloss Lockenhaus, wird sich der Pflege des historischen und kulturellen Erbes der Esterhazys annehmen.
„Burgenland-Konzern“
In der Management-Gesellschaft, die mit 160 Mitarbeitern rund 17 Millionen Euro umsetzt, ist Ottrubay der Motor. Der gebürtige Schweizer, Rechtsanwalt und Kapitalmarkt-Spezialist der Credit Suisse, seit dem Jahr 2000 Generalbevollmächtigter und Vermögensverwalter seiner Tante im Burgenland, sieht sich seinem Ziel einen gewaltigen Schritt näher gekommen: Als Manager, als Veranstalter, als kultureller Mäzen – im Sinne der Esterhazys. Gewaltige Summen wurden in den vergangenen Jahren investiert, noch mehr werden die kommenden Projekte benötigen.
Größter Grundbesitzer
Besitz kann nämlich ganz schön belastend sein. Was jeder Kleingartenbesitzer weiß, trifft auf die Esterhazyschen Latifundien erst recht zu. Das halbe Burgenland gehöre der Fürstenfamilie, sagt man landläufig. Immobilien im Wert von 50 Millionen Euro, das Schloss Esterházy in Eisenstadt, die Burgen Forchtenstein und Lockenhaus, Schloss Lackenbach, der Römersteinbruch St. Margarethen. Dazu der Nationalpark Neusiedlersee, 44.000 Hektar Forst- und Landwirtschaftsflächen. Die Esterházys sind auch Österreichs größte Bio-Bauern. Ganz zu schweigen von Tausenden Kunstschätzen, die gehegt – und vor allem – gepflegt werden wollen.
Streit um die Apanage
Da kommt es ungelegen, dass entfernte Verwandte der Tante Melinda den Sinn der seit 1992 bestehenden österreichische Privatstiftung anders auslegen. Sie wollen eine Apanage. Vor allem die Münchener Anverwandten zeigen sich lästig. Graf Endre und Ehefrau Christine sind besonders erbost, sodass ein Gerichtsverfahren bevorsteht: Das geliebte Tantchen werde von ihrem Lieblingsneffen unter Verschluss gehalten, meinten sie bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt. Ottrubay zeigte daraufhin die beiden lästigen Adelssprösslinge an: Er fühlte sich erpresst. Denn gegen einen geringen Anteil am Profit wären sie geneigt, nichts Böses mehr über Ottrubay zu sagen . . .
Schloss-Sanierung
Für den Manager und Kunstfreund Ottrubay sind das Petitessen, die ihn von seinem Gesamtkonzept nicht abbringen werden. Denn das Haydn-Gedenkjahr 2009 ist nicht so fern, wie das klingt. Im Stadtschloss wird der prachtvolle Haydn-Saal restauriert, eine Sanierung des Schlosses ist unumgänglich. Der nahezu unbekannte Park hinter dem Hauptgebäude wartet noch auf seine „Erweckung“.
Das Eisenstädter Schloss, in dem der Landeshauptmann für repräsentative Empfänge nur als Mieter agiert, ist zwar die bekannteste Perle im Bukett, aber beileibe nicht die einzige. In die Infrastruktur des Römersteinbruches von St. Margarethen werden sieben Millionen Euro investiert. Die Umbauten (Eingangsgebäude, Catering-Bereich, Sanitäranlagen, Foyerpark und VIP-Bereiche) sollen zum Teil schon heuer fertig gestellt sein. Auch der Orchesterraum soll erweitert werden und die Zuschauertribüne künftig 5500 Plätze bieten. Eine Ansage somit an die Mörbischer Seefestspiele.
Forchtenstein ist bereits saniert und lockt jährlich Tausende Besucher an. Aus einem agrarischen Großgrundbesitzer ist so innerhalb weniger Jahre ein Touristik- und Veranstaltungskonzern geworden.
Und der muss professionell geführt sein: Ab 1. Mai wird ein Direktionsrat mit dem Schweizer Max Albers und dem Wiener Günter Horvath die oberste Kontrolle über die Stiftungen ausüben. Dazu kommt in den nächsten Monaten noch ein Fachbeirat, der die Entwicklung von Esterhazy im Bereich Kultur sowie in den Wirtschaftsbereichen begleitet und unterstützt. Dem neu geschaffenen Wirtschaftsbeirat wird das frühere Vorstandsmitglied Christian Kuhn angehören.
stadtmenschen@diepresse.com Inline Flex[Faktbox] DIE ERBIN.("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2007)