„Nicht so peinlich wie befürchtet“

Gerd Bacher findet an „Wie bitte?“ Gefallen, Paul Schulmeister lobt die „beachtliche Leistung“ der Info-Reform, und der ÖH-Sprecher findet einiges nur „öde“.

Ich finde die neue Jugendschiene im ORF eher öde. Bei ,Wie bitte?‘ weiß ich nicht, worum es in der Sendung eigentlich gehen soll, obwohl ich die Sendung ganz gesehen habe.“ Yussi Pick ist keiner der üblichen Verdächtigen. Der ÖH-Sprecher studiert Germanistik und Geschichte und lebt in einer WG, just mitten im Achten. Von der gleichnamigen Sitcom hält er nichts. „Ich habe mich nicht wiedergefunden in dieser TV-WG. Ich kenne auch andere WGs im Achten, die sind alle nicht so. Das im ORF sind unauthentische Kunstfiguren.“ Und schon kommt das Trostpflaster – „ich schaue zwar lieber echte ,ZiB‘, aber die ,ZiB20‘ ist auch o.k.“ – und der nächste Haken: „Nur die ,ZiB-Flashes‘ machen mich nervös... vielleicht bin ich schon zu alt.“

Marie Ringler (Grüne) findet die neuen Infosendungen „sehr erfrischend“: „Aber es ist klar, dass ein neues Studio und eine neue Dramaturgie nicht darüber hinwegtäuschen können, dass eine Informationssendung nur so gut ist wie ihre Beiträge mutig, kritisch und gehaltvoll.“ Von „Mitten im Achten“ habe sie „nur die Szene mit der Leiche gesehen“ – Fazit: „Es war nicht so peinlich, wie ich befürchtet habe.“ Medienpsychologe Peter Vitouch verteidigt das Format: „Als ,Kaisermühlen Blues‘ oder Mundl gestartet sind, war auch großes Geschrei von wegen Untergang des Abendlandes. Die sind erst später Kult geworden.“

Mitten im 8.: „Ungewöhnlich Schlüpfrig“

Auch SOS-ORF-Initiator Peter Huemer glaubt, „MiA“ „könnte etwas werden“ – allerdings seien die Dialoge „ungewöhnlich schlüpfrig“, wobei Huemer betont, zum ersten Mal eine Sitcom zur Gänze gesehen zu haben. Ansonsten habe ihm der Fernsehtag gefallen. Vor allem wegen des Matches Manchester United gegen AS Roma: „So was sieht man nur alle zehn Jahre!“

Auch Paul Schulmeister hält den Auftakt für einen „journalistischen Glückstag“ mit zwei schwergewichtigen Themen (Iran und Eurofighter). Die neuen Infosendungen seien „eine beachtliche Leistung“: „Sachliche Information, Analyse und flotte Aufbereitung haben sich die Waage gehalten.“ Aber: „Ob man den Standard halten kann?“

Für ORF-Kurator Franz Küberl war die „ZiB20“ die „positivste Überraschung“: „Ich weiß zwar nicht, ob ich zur Zielgruppe gehöre, aber ich habe das Gefühl, das ist die Entstaatsoperung des ORF.“ Mit der „ZiB“ ist Küberl noch nicht zufrieden: „Die Hälfte der Beiträge gehört ins Panoptikum. Man sollte lieber über Äthiopien berichten als über Weltraumtouristen.“ Und die Vidiwall, die „muss man noch bespielen lernen“.

Stiftungsrat Fritz Muliar hält die ORF-Reform für „keine Sensation“: „Ich habe nicht viel Unterschied gemerkt... es ist hübscher geworden. Und das Wetter deutlicher.“ Die Sitcom habe er sich noch nicht angeschaut: „Ich bin da voreingenommen, weil ich habe ja seinerzeit bei der ,Lieben Familie‘ mitgemacht, die Wolfgang Lorenz damals gekillt hat.“ Stiftungsrats-Kollegin Helga Rabl-Stadler will auch noch nicht urteilen: „Es wäre ungerecht, das nach nur einer Folge zu beurteilen.“ Noch dazu nach der ersten, die, wie Ex-ORF-Chef Gerd Bacher meint, „die schwächste ist“. Er habe bereits mehrere gesehen: „Meine ärgsten Befürchtungen sind nicht eingetreten.“

Überhaupt zeigt sich Bacher von den Neuerungen positiv überrascht. Etwa von der „ZiB“: „Die optischen Verbesserungen gefallen mir sehr.“ Nicht so die „grau-blaue Verschwommenheit“ hinter den Moderatoren . . . „das werden sie noch lernen“. Was ihm am besten gefallen hat? „Wie bitte?“ Die Sendung sei „sehr frisch, sehr frech“, werde dem ORF aber sicher „viele Klagen im Sinne des Rundfunk-Gesetzes“ einhandeln, „denn in der Sendung spielt Objektivität überhaupt keine Rolle“. Ob die Reform gelingen wird? „Niemand freut sich mehr als ich, wenn die eigenen negativen Prophezeiungen nicht eintreffen.“ Siehe auch S. 40

Inline Flex[Faktbox] ORF-REFORM: Die Quoten("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.04.2007)

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