In Deutschland und Österreich verlangen immer mehr Branchen erleichterten Zugang von Arbeitskräften.
WIEN. Das gute Wachstum lässt in immer mehr Branchen Begehrlichkeiten nach zusätzlichen Fachkräften aus Osteuropa steigen. Nach der metallverarbeitenden Industrie und dem Hotelgewerbe verlangt nun auch die heimische Land- und Forstwirtschaft eine rasche Öffnung des Arbeitsmarkts. Der Präsident der Landwirtschaftskammer Rudolf Schwarzböck appellierte am Donnerstag an die Bundesregierung: „Nachdem bereits große Obst- und Gemüseproduzentenländer wie Niederlande, Spanien und Italien dabei seien, die Übergangsbestimmungen für Fremdarbeitskräfte zu beseitigen, ist es ein Gebot der Stunde, dass auch Österreich diesen Schritt vollzieht.“
Im kommenden Herbst wird in der Landwirtschaft mit einem neuerlichen Mangel an Erntehelfern gerechnet. „Im Inland sind diese Arbeitskräfte nicht mehr zu finden“, so ein Experte der Landwirtschaftskammer. Für 2007 gibt es so wie für die vergangenen Jahre ein strenges Kontingent an Hilfskräften für den Agrarbereich. Zugelassen sind 11.100 Saisonniers, die maximal sechs Monate beschäftigt werden können und 6315 Erntehelfer, die lediglich sechs Wochen in Österreich arbeiten dürfen.
Nur noch drei Hardliner
Die meisten alten EU-Staaten haben bereits ihren Arbeitsmarkt entweder ganz oder für jene Sektoren, in denen Bedarf besteht, geöffnet. Verschlossene Grenzen für Arbeitskräfte aus den neuen EU-Ländern gibt es laut EU-Kommission nur noch in Deutschland, Österreich und Dänemark. Frankreich hat beispielsweise im Vorjahr die Öffnung für 61 Berufsqualifikationen – darunter in der Hotellerie, der Landwirtschaft und im Maschinenbau – von der Zugangsbeschränkung ausgenommen.
Neben Österreich wächst auch in Deutschland der Druck, die Grenzen für Arbeitnehmer aus den östlichen Nachbarländern zu öffnen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag ortet angesichts der verbesserten Konjunkturlage einen Fachkräftemangel. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Laurenz Meyer, forderte deshalb diese Woche in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“, den Zuzug ausländischer Arbeitskräfte umgehend zu erleichtern. Auch Wirtschaftsminister Michael Glos hat sich bereits für eine teilweise Öffnung ausgesprochen.
In Österreich wurde Sozialminister Erwin Buchinger (SPÖ), der in einem „Presse“-Interview ebenfalls eine sektorale Öffnung angedacht hatte, von der Gewerkschaft scharf kritisiert. Sie warnt vor negativen Auswirkungen für heimische Arbeitskräfte und erinnert daran, dass sich das Lohngefälle zwischen alten und neuen EU-Staaten noch nicht angepasst habe.
2009 müssen auch die heimischen Beschränkungen neuerlich überprüft werden. Zwar ist es noch möglich, bis 2011 den Zugang einzudämmen, doch müssen dafür gegenüber der EU-Kommission ausreichende Gründe vorgebracht werden. Ab 2011 haben sowieso alle Arbeitnehmer der mittel- und osteuropäischen Länder ein Recht, sich auch in Österreich eine Beschäftigung zu suchen. Vorübergehende Beschränkungen sind dann nur noch für die 2007 beigetretenen Länder Rumänien und Bulgarien möglich. Spätestens 2014 werden auch diese fallen.
Inline Flex[Faktbox] LEXIKON.("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2007)