Zeitgleich. Der Verband katholischer Publizisten feierte am Donnerstag sein erstes halbes Jahrzehnt. Unterdessen sprach Lotte Ingrisch über ihre Geister-Telefonate und startete das MuseumsQuartier in seine „Pole Position“.
Warum der Donnerstagabend einst als „Nobeltag“ galt – und auch heute noch gilt – darüber gibt es mehrere Theorien. In dieser Woche traf die Bezeichnung jedenfalls zu. Drei Veranstaltungen im selben ideologischen Umfeld – das nennt man Koordination. Manche reden da auch von Synergien.
18 Uhr Festgottesdienst mit dem Grazer Bischof Egon Kapellari im Wiener Stephansdom. Immerhin ist er ja im Episkopat für den Bereich Medien zuständig. Der Verband katholischer Publizisten feiert seinen 50. Geburtstag. Wir treffen altgediente, manchmal auch schon gebeugte Pioniere der heimischen Journalistik. Felix Gamilschegg ist da, Hubert Feichtlbauer, Thomas Chorherr, Franz Ivan, Engelbert Washietl, Gerda Schaffelhofer, Rudolf Mitlöhner, Reinhard Hampel . . . Man erweist an diesem Tag dem Verband seine Reverenz, auch wenn man gar nicht katholisch ist – etwa Udo Bachmair.
Von dort hinüber ins Parlament, wo wir in eine Buchpräsentation steirischer Art platzen. Das „Mastermind“ der Steirer-ÖVP, Herwig Hösele, stellt das neue Jahrbuch für Politik vor. Und neben dem steirischen Regierungsmitglied Martin Bartenstein sehen wir die Landeschefin a. D. Waltraud Klasnic (nie wird man hier von einer Altlandeshauptfrau reden können); VP-General Hannes Missethon, LH-Stellvertreter Hermann Schützenhöfer, OENB-Generaldirektor Johanna Rachinger, den Zweiten Nationalratspräsidenten Michael Spindelegger. Josef Höchtl nicht zu vergessen, der einst zweifacher Bündeobmann war und mit Riesenschritten seinem 60. Geburtstag entgegeneilt. Höchtl über den Festredner Schützenhöfer, flüsternd: „Der war auch einmal einer meiner Stellvertreter in der Jungen ÖVP.“ Tempora mutantur.
Das original steirische Kürbisbuffet in der Säulenhalle des Hohen Hauses betrachten wir nur noch aus den Augenwinkeln, denn im Wiener Rathaus wartet das Karl-von-Vogelsang-Institut der ÖVP auf uns. Man präsentiert dort – erraten – ein Jahrbuch. Demokratie und Geschichte ist diesmal dem Schwerpunkt Heinrich Drimmel gewidmet, dem jüngeren Generationen bereits weithin unbekannten Kommunalpolitiker, CV-Vorsitzenden, ÖH-Funktionär, Denker und Schriftsteller. Ministerialrat Helmut Wohnout hat die Autoren koordiniert, unter denen nicht nur Archivleiter Johannes Schönner Erwähnung verdient hätte. Der Klubobmann der Wiener ÖVP Matthias Tschirf lädt danach zum Buffet in den Wappensaal. Wir bleiben hungrig im Dienste des „Presse“-Lesers.
Denn: Zurück in die Wollzeile Nr. 2, in den Arkadenhof des Erzbischöflichen Palais. Die katholischen Publizisten laben sich jetzt bei spartanischer Agape und Musik aus den Fünfzigerjahren. Schließlich will man das anschließende Fest im Palais und danach die Fortsetzung des Dezennienbuffets klaren Sinnes genießen. Wendelin Schmidt-Dengler brilliert, Hubert Feichtlbauer präsentiert mit Verbandsvorsitzender Gabriele Neuwirth. Nein, kein Jahrbuch – die Festschrift.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2007)