Szene. Zehnter Geburtstag von Alphaville im Gartenbau-Kino.
Nicht nur unter Cinephilen hat sich das Alphaville in der Schleifmühlgasse einen Namen gemacht. Auch Otto-Normal-Videoschauer kommen hier regelmäßig auf ihre Kosten. In einer Zeit, in der Filme immer häufiger – legal oder illegal – aus dem Internet geladen werden, hat sich der kleine Laden als ein Refugium der alten Verleihtradition gehalten. Die Geschäftsidee dahinter ist simpel: Die Inhaber Norman Shetler und Georg Schneider bieten Videos und DVDs in Originalfassung, von aktuellen Filmen bis zu vergessen geglaubten Werken.
Darüber hinaus lassen sich die beiden Herren auch nicht durch rare Filmtitel oder Debatten über deren Inhalte aus der Ruhe bringen. Kurzum, der Besucher fühlt sich bestens aufgehoben und in kompetenten Händen.
Neu ist der Laden allerdings längst nicht mehr. Mittlerweile gibt es das Alphaville schon zehn Jahre, was nach einer Jubiläumsfeier geradezu schreit. Und tatsächlich feiert sich die Videothek diesen Samstag selbst. Das Ambiente ist mit dem Gartenbaukino treffend gewählt, und das Programm ist für Freunde der Filmkunst ebenfalls würdig. Unter anderem sind Werke ehemaliger und momentaner Alphaville-Mitarbeiter zu sehen, darunter die Weltpremiere des Streifens „Embrace“ von Lucas Vossoughi.
Cinephile als Partytiere
Danach folgen Arbeiten befreundeter Künstler und Filmemacher, etwa Virgil Widrich, und rare Filme aus dem Filmmuseum. Höhepunkt ist die Kinopremiere von Timo Novotnys „Life in Loops – A Megacities rmx“ (21 Uhr). Daneben wird in der philiale im Gartenbau-Foyer mit mehreren DJs gefeiert, ab Mitternacht mit den Sofa Surfers.
Nun, eigentlich gelten Cinephile ja gar nicht so sehr als Partytiere. Die Spannung steigt, ob man mit diesem Eindruck falsch liegt.
alphaville.at("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2007)