Für ein neutrales Land wie Österreich ist Diskretion wichtig.
Soll man nun mit der Wut des Geprellten stornieren, weil man als Einziger kein Kuvert vom Lobbyisten erhalten hat, oder trotz schlechter Optik aus Vernunftgründen kaufen? Das fragt sich heute in Österreich jeder Kunde, der im bilanztechnisch günstigen Jahr 2007 noch rasch ein paar Abfangjäger erwerben will. Wir im Feuilleton haben nachgerechnet, und obwohl man bei uns über Geld nicht spricht, gibt die Gegengift-Airshow-Consulting (GAC) ohne Nebenkosten folgende Expertise ab.
Wer den Eurofighter Typhoon wirklich braucht, muss rasch zugreifen. So billig ist er nie mehr zu haben. Hier die Preisentwicklung: Der deutsche Verteidigungsminister versprach 1997 in der frühen Planungsphase ein Gerät zum Stückpreis von umgerechnet 50Mio.€. Bald hieß es: 80Mio.€. 2003: 100Mio.€. Derzeitiger Stand für die österreichische Kulanzlösung: an die 110Mio.€, exkl. Infrastruktur.
Selbst ein unbedarfter Airchief oder ein cleverer Zivildiener kann sich also ausrechnen, dass nach einer Stornierung die Neubestellung teurer wird. So zwischen 120 und 170Mio.€ würde er wohl kosten, ein Flieger, der von der großen Koalition völlig neu angeschafft wird. Im Vergleich zu den Original-Jets sind die Modellbau-Flieger, mit denen Waffenhändler und Luftwaffenoffiziere so gerne in ihrer Freizeit spielen, geradezu konstant im Wert. 19,99€ kostet der Eurofighter in der aufwendigen Plastikversion seit Jahr und Tag. Vom Spritzgussmodell um 4,49€ würden wir hingegen abraten. Zu klein im Maßstab selbst für ein mittelgroßes Land.
An Plastikmodellen haben wir im Feuilleton nun auch erprobt, was wir wirklich brauchen für die Schmückung der Republik mit dem Begriff der Luftraumüberwachung. Lassen wir einmal die leidigen Geldfragen, die wirklich niemanden außer Peter Pilz interessieren, beiseite. Ein Kulturland wie Österreich muss die Kaufentscheidung für die Militärjets von ästhetischen und psychologischen Gründen abhängig machen. GAC hat die Modelle erprobt und kommt zu folgendem Schluss.
Das optimale Fluggerät für einen Minister, der keine Flieger haben will und trotzdem die Luftraumüberwachung verteidigt, ist der Stealth-Jet Lockheed F-117. Man sieht ihn nicht. Für ein neutrales Land wie Österreich ist Diskretion wichtig. Die Finanzierung – der Preis ist zugegeben exorbitant und deshalb geheim – könnte über sogenannte Stealth-Konten abgewickelt werden. Auf die hat kein Untersuchungsausschuss Zugriff.
Sollte aber Minister Darabos darüber stolpern, dass er die Eurofighter abbestellt, und ein Konservativerer sein Amt übernehmen, der stolz auf den Luftraum und sein militärisches Befliegen ist, haben wir folgenden Flugzeugtyp gefunden: Saab Draken in Rot-Schwarz. Er ist laut, maßlos im Verbrauch, unbeweglich und von gestern. Das passt zur Regierungspolitik.
norbert.mayer@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2007)