ORF-Reform: Quotensturz kostet "Nerven und Zeit"

Quoten von "Mitten im 8." und "ZiB 20" fast halbiert. Deutsche Sender teilweise vor ORF1.

ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz hält nichts von „Tages- und Stundenbefunden“ über die Quotenlage. Das mag man ihm gern glauben. Denn was er derzeit allmorgendlich im Teletest lesen kann, ist ein Trauerspiel: „Mitten im Achten“ fiel seit dem Start innerhalb von drei Tagen von 364.000 auf 187.000 Zuschauer, sackte also fast bis auf die Hälfte und auf den mageren Marktanteil von 11% ab. Auch die „ZiB“ hat von Dienstag auf Donnerstag deutlich an Quote verloren: von 1,125Millionen auf nur mehr 946.000 Zuschauer. Die „ZiB20“, das kürzere Hauptnachrichtenformat am Einser sankt dramatisch von 408.000 (Di.) auf 218.000 Zuschauer (Do.). In Summe kam der ORF am Donnerstag zwischen 19 und 20.15Uhr auf 53,3% Marktanteil.

„Wir brauchen jetzt gute Nerven und Zeit“, meinte Lorenz am Freitag gegenüber der Austria Presse Agentur. Nur wenige Tage nach dem Start der Reform seien „alle guten Befunde so unrepräsentativ wie die schlechten“. Dem Zuschauer sei „nicht zuzumuten, sich innerhalb weniger Tage auf ein völlig neues Programm einzurichten“. Eine erste Bilanz über die Reform sei daher nicht vor Juni zu ziehen. Ja, und noch etwas: das Wetter... viel zu schön, um fernzusehen.

„szene;)“ hinter Sat1-Serie „K11“

Ganz allein am Wetter kann es aber wohl nicht liegen – die Quoten sorgten am Freitag denn auch für einigen Gesprächsstoff in und um die ORF-Kantine: Denn während das junge Promi-Magazin „szene;)“ auf ORF1 am Dienstag bei 139.000 Zuschauern vor sich hin plätscherte, sahen 178.000 auf Sat1 die zeitgleich startende Serie „K11 – Kommissare im Einsatz“, die ARD konnte mit Jörg Pilawas „Quiz“ (19.20Uhr) 116.000 Österreicher gewinnen, 99.000 heimische Zuschauer sahen den Dauerbrenner „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ auf RTL (19.40Uhr). „Wie bitte“ (18Uhr, ORF1) hatte 95.000 Zuschauer, „Explosiv“ (18Uhr, RTL) 69.000 – und beim nachfolgenden RTL-Starmagazin „Exclusiv“ waren mit 93.000 Österreichern annähernd so viele Zuschauer dabei wie zur gleichen Zeit bei den „Simpsons“ auf ORF1.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2007)

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