USA. Seit Euro-Einführung war der Dollar nur einmal so schwach. Eine US-Krise ist aber noch nicht zu befürchten.
Wien.Man muss schon ein Stück weit zurückgehen, um den Zeitpunkt zu finden, an dem der Dollar mehr wert war als der Euro. Im Spätherbst 2002 war es, und zu diesem Zeitpunkt hatte der Kurs des „Greenback“ schon eine rasante Talfahrt hinter sich und ein Sechstel seines Werts verloren.
Am Freitag erreichte der Abstieg der US-Währung fast einen neuen Tiefpunkt. Nur 74 Euro-Cent war ein Dollar zu Redaktionsschluss der „Presse“ wert: Tiefer lag der Dollarkurs nur zum Jahreswechsel 2004/2005.
Und das vor dem bedrohlichen Hintergrund einer sich abkühlenden US-Wirtschaft, die schwer an den „Zwillingsdefiziten“ in Handelsbilanz und Budget trägt, während eine US-Immobiliengesellschaft nach der anderen Termine beim Konkursrichter anmeldet und Millionen Amerikaner bangen müssen, aus ihren Häusern delogiert zu werden. Stehen die USA vor einer Rezession? Und: Was bedeutet ein schwacher Dollar für Österreich?
„Nein“, beantwortet Bernhard Felderer, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), im Gespräch mit der „Presse“ die erste Frage. Zwar mache sich seit rund zehn Monaten, als die ersten schlechten Nachrichten von den US-Immobilienmärkten kamen, Pessimismus über die US-Konjunktur breit. Und auch die Investitionsströme in die USA hätten in jüngster Vergangenheit leicht nachgelassen. „Eine Rezession heißt übersetzt in amerikanische Verhältnisse aber nur, dass es zwei Quartale schlecht läuft und dann wieder bergauf geht“, sagte Felderer.
Pessimistischer äußerte sich Stephen Roach, Chef-Ökonom der Investmentbank Morgan Stanley, am Freitag in Seoul. Zwar schließt auch er eine Rezession aus, also eine Schrumpfen der US-Wirtschaft im technischen Sinne. „Es wird aber ziemlich nahe an eine solche kommen, weil die Arbeitslosigkeit steigen wird“, sagte Roach.
„Der Dollar ist unsere Währung, aber Ihr Problem.“
John B. Connally, Richard Nixons Finanzminister, einst zu einem ausländischen Journalisten.
Felderer hingegen hält es sogar für möglich, dass der Dollar gegenüber dem Euro bald wieder aufwerten könnte. „Es könnte gut sein, dass neue Kapitalströme in die USA den Kurs stützen.“ Mit solchen sei solange zu rechnen, „solange die Welt meint, dass ihr Geld in den USA am besten angelegt ist.“
Doch sollte der Dollar plötzlich abstützen (etwa in Folge eines großen US-Börse-Skandals), wäre Österreich hart getroffen. Zwar gehen nur sechs Prozent von Österreichs Exporten in die USA – doch rund ein Viertel der Ausfuhren sind in Dollar denominiert. Sinkt dessen Kurs im Vergleich zum Euro, verlieren Österreichs Exporteure (die ihre Kosten in relativ teurer werdenden Euro verdienen müssen) an Wettbewerbsfähigkeit. Und weil Österreichs Wirtschaftswachstum zum Großteil vom Export getragen wird, würde eine starke Abwertung des Dollar die gesamte Konjunktur treffen.
Positiv wirkt sich ein schwacher Dollar hingegen auf den Ölpreis aus. Denn Erdöl wird in Dollar gehandelt. Darum dämpft eine Dollarabwertung die Inflation.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2007)