"Maxïmo Park" aus England waren im Wiener WUK persönlich.
„Das ist jetzt sehr persönlich“, sagt Sänger Paul Smith, schon ein wenig außer Atem, aber noch immer mit Hut – und meint natürlich das nächste Lied: „Going Missing“, ein Traurig-nach-der-Trennung-Szenario, das u.a. in den Allerwelt-Slogan „I've got nothing left to lose“ mündet. Dazu tief empfindsames „Ooh, ooh“. Ja, so ist das: Wenn die Betroffenheit unerträglich wird, finden wir uns unverzüglich am nächstgelegenen Gemeinplatz ein.
Wir lernen daraus: Paul Smith ist ein ehrlicher Mann, und Maxïmo Park sind ein tüchtiges Vehikel, um sein Bedürfnis nach Ehrlichkeit in aller Öffentlichkeit auszuleben, diesfalls im für eine Band dieser Größenordnung intimen WUK. „Clubrahmen“ sagt der moderne PR-Texter, das wirkt exklusiv und sympathisch zugleich.
Arbeiten Sie an der Gitarre!
Smiths Herz ist voll, sein Mund geht über, und sein Gitarrist Duncan Lloyd hat genug bewährte Riffs im Handgelenk, um das nach Kräften (und, zumindest auf der Bühne, illustriert mit „Abrocken“-Gesten, wie sie sonst eher Luftgitarristen üben) zu unterstützen. In einer passend treuherzigen Rezension des zweiten Maxïmo-Park-Albums „Our Earthly Pleasures“ (erschienen in der sonst erfrischenden Wiener Zeitschrift The Gap) wurde das mit einem Wort beschrieben, das man zum Glück lange nicht gelesen hatte: „Gitarrenarbeit“. Doch das tumbe Wort trifft die Profession der Maxïmo Park gar nicht schlecht: Sie spielen Rock, ehrlich, solide, aufrichtig,...Von allen Bands der aktuellen Britpop-Schule (als deren Leitfossil Pop-Archäologen der Zukunft wohl Franz Ferdinand ansehen werden) haben sie am wenigsten mit Punk- oder New-Wave-Ästhetik zu tun.
Trainieren Sie Ihre Gefühls-Muskel!
So wirken ihre Songs auch in höheren Geschwindigkeitsbereichen wuchtig und irgendwie gemütvoll. Dafür sorgt v.a. der Keyboard-Spieler, der (fast) alle Lücken im Sound ausschmiert und bisweilen den Rhythmus durchhämmert wie der gut erhaltene Jerry-Lee-Lewis-Imitator einer Schutzhaus-Hausband. Harte Arbeit, auch das, gewiss braucht man Muskeln dafür.
„Muskulös“, das ist noch ein Wort, das einem unwillkürlich zu den Exerzitien der Maxïmo Park einfällt. Wenn Heavy Metal wie Bodybuilding ist, dann sind sie wie Kieser-Training: effizient. Grundvernünftige Gefühlsathletik. „Some people hide their emotions, some people show too much; I'm aiming for something central“, singt Smith in „Nosebleed“. Und verspricht, im tatsächlich beinahe unwiderstehlichen „Our Velocity“: „I'll tell you some more about me.“ Wirklich sehr persönlich. Demnächst in Ihrem Großraum-Rockhaus.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.04.2007)