Das Ehepaar Reder zahlt 6 Mio. Euro für die Errichtung des Kinos. Das Filmarchiv hat nun im Streit mit den Wiener Sängernabenhat Anspruch auf die Bauoption erhoben.
Das Filmarchiv Austria und die Viennale haben einen Sponsor für ihr geplantes Filmkulturzentrum im Wiener Augarten gefunden: Das Ehepaar Ingrid und Christian Reder finanzieren mit ihrer Stiftung Orion den Bau des Projekts zur Gänze. Das haben Filmarchiv-Leiter Ernst Kieninger und Viennale Direktor Hans Hurch am Mittwoch in einer Pressekonferenz berichtet. Die Errichtung des Kinos wird demnach 6 Mio. Euro kosten.
Ingrid Reder ist eine Tochter des Gründers des Lichttechnikunternehmens Zumtobel AG, gemeinsam mit ihrem Mann hat sie bereits Kulturprojekte finanziert. Ob das Augartenkino gebaut wird, ist aber noch offen. Denn im Bereich des so genannten Augarten-Spitzes wollen auch die Wiener Sängerknaben einen Konzertsaal errichten. "Jetzt erheben wir Anspruch auf die Bauoption", betonte Kieninger heute.
"Engagement für Österreich einmalig"
"Die Sponsoren haben uns gefunden", berichtete Viennale-Chef Hans Hurch, der Christian Reder laut eigenen Angaben schon lange kennt: "Ich war aber trotzdem überrascht, als das Angebot kam." Das Ehepaar Reder hätte die Entwicklung um das Projekt verfolgt und beschlossen, dieses mit ihrer Privatstiftung zu finanzieren. "So ein Engagement ist in dieser Form für Österreich einmalig", zeigte sich Filmarchiv-Leiter Kieninger erfreut.
Die Förderer waren heute nicht persönlich anwesend, in der Pressekonferenz wurde jedoch ein Schreiben von Ingrid und Christian Reder verlesen. Darin heißt es: "Das Filmkulturzentrum Augartenkino des Filmarchivs Austria und der Viennale soll als zeitspezifisches Signalprojekt für Film und Medien ermöglicht werden (...) Es überzeugt die demokratische, Anrainer einbindende, ökologisch sorgsame und architektonisch qualitätvolle Konzeption (...)."
Neue Formen der Kooperation
Womit sich "der Markt" und "der Staat" schwer tun, könne nur durch neue Formen der Kooperation auf zivilgesellschaftlicher Ebene gestärkt werden, heißt es in dem Text weiter. Das Neuartige betonte auch Kieninger: "Es handelt sich um die historische Chance, Public-Private-Partnership mit einem signalhaften Projekt im Filmbereich umzusetzen."
"Wir erwarten nun auch eine klarere Haltung der Stadt Wien und auf Bundesebene", betonte der Filmarchiv-Chef. So habe der Bund (als Grundbesitzer, Anm.) noch keine Entscheidung darüber gefällt, was in diesem Bereich des Augartens gebaut werde dürfe, entweder das Kino oder der Konzertsaal. Eingereicht sei das Bauvorhaben bereits. Dass es noch zu einem gemeinsamen Projekt mit den Sängerknaben kommt, glauben weder Kieninger noch Hurch.
Sängerknaben-Bau Projekt am falschen Ort
"Das ist eine sehr theoretische Frage", meinte Hurch dazu. Es werde nicht so einfach sein, zu sagen, man ziehe über beide Projekte ein gemeinsames Dach: "Das wäre eine verwasserte Lösung." Laut Kieninger ist der Sängerknaben-Bau ein Projekt am falschen Ort: "Es wäre eine Verbauung, kein Signal für eine Öffnung des Augartens."
Filmarchiv und Viennale wollen unmittelbar am Augartenspitz Grünflächen bzw. einen Teich errichten. Das Kino würde daneben entstehen, in der Nähe der bestehenden Filmarchiv-Gebäude. Das Projekt Augartenkino umfasst zwei Kinosäle mit insgesamt 240 Plätzen, Ausstellungsflächen, eine audiovisuelle Bibliothek sowie eine Freiluftkino-Tribüne für das Sommerkino. Auch eine Dachterrasse mit Gastronomie sowie ein neuer Zugang in den Park selbst sind geplant. (APA)