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Kunstshoppen: Sonder-Angebot

Es bewegt sich was am Kunstmarkt: Ab sofort gibt es Kunst für schmale Geldbörsen. Ein neuer Trend und seine Gründe.

Natürlich kann man auch zu Ikea gehen und sich um 70 Euro gefällige Massenware kaufen, die dann auch noch bei 500 anderen Leuten im Wohnzimmer hängt. Oder man nimmt seine 70 Euro und kriegt bei uns ein Stück zeitgenössische Kunst. Ein Original.“ Das sagt Christian Rupp. Und Christian Smretschnig eigentlich auch. Da sind sie sich einig, die Veranstalter von ARTmART und vom Kunstsupermarkt M-ars. Einig sind sie sich auch darin, dass es selbst mit einem kleinen Budget möglich sein muss, sich mit Kunst zu umgeben. Ausgerechnet rund um die Viennafair, einem Umschlagplatz für potente Kunstsammler, macht ein neuer Trend auf sich aufmerksam: Kunst für schmale Brieftaschen.
Christian Rupp hat gemeinsam mit Lorenz Seidler (eSeL)  den ARTmART auf die Beine gestellt. Da gibt es Arbeiten von 218 Künstlern zum Sonderangebot: Alles kostet 70 Euro. Ob es nun junge, noch unbekannte Künstler sind oder auch ein Oswald Oberhuber, macht dabei keinen Unterschied. Kunst im Sonderangebot, sozusagen. Rupp hat mit dieser alternativen Art des Kunstmarkts in Griechenland Bekanntschaft gemacht. Da findet so ein ARTmART bereits seit 13 Jahren zweimal im Jahr statt und Rupp hat bei solchen Veranstaltungen seine eigene Kunst verkauft. Langsam reifte die Idee, so einen „Markt“ auch in Wien stattfinden zu lassen. Er konnte Kuratoren wie Peter Weibel, Heimo Zobernig oder Brigitte Kowanz gewinnen. Damit war schon mal sichergestellt, dass man die Möbelhaus-Wandaccessoire-Qualität gewaltig hinter sich lassen würde. Dann konnten Rupp und Seidler die Vienna Art Week als Partner gewinnen, „in der das ganze internationale Kunstpublikum durch Wien geschleppt wird.“

Es muss ja kein Pollock sein

Dass Viennafair und Galerien den ARTmART etwas skeptisch sehen und befürchten, er könnte den Markt negativ beeinflussen, hat Rupp zwar gehört, findet er aber unberechtigt: „Die Leute, die heute bei uns etwas kaufen, finden dann heraus, dass es auch in Galerien schon so manches um 100 oder 200 Euro gibt und in fünf bis zehn Jahren sind sie dann Galeriekunden.“ Auch die Künstler hätten schnell verstanden, dass es „kein Abverkauf ist. Es ist nur ein günstiger Preis.“
Mit günstigen Preisen lockt auch Christian Smretschnigs Kunstsupermarkt M-ars. Im Unterschied zum zeitlich begrenzten ARTmART hat er sich selbstbewusst kein Limit gesetzt. Bei M-ars wird es Kunst in einem Preisrahmen von 9,90 bis 899,90 Euro geben. Der Gründer wartet mit Kuratoren von Stella Rollig bis Peter Noever auf. Und sieht sein Konzept als sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Kunstmarkt: „Es hat nicht jeder 40 Millionen für einen Jackson Pollock in der Portokasse.“ Auch
Smretschnig beruhigt, Galeristen müssten sich „nicht fürchten. Es geht nicht darum, den Preis arrivierter Künstler zu drücken.“ Der Glücksfaktor spielt im Kunstsupermarkt auch eine Rolle: Wenn etwa eine Künstlerin wie Bildhauerin Christine Pillhofer „nicht mehr weiß, wohin mit den Sachen und Inventur macht“, dann könne man zu einem Schnäppchen kommen. „Das schmälert aber den Wert des Künstlers nicht. Es ist eher so wie bei den sagenumwobenen Ein-Euro-Flügen, die es bei Sky Europe gibt.“
Ist das alles eine Antwort auf Preisexplosionen und die Lifestylisierung am Kunstmarkt? „Es ist keine Trotzreaktion“, sagt Smretschnig. Und auch Christian Rupp meint: „Wir sind keine dogmatischen Marktgegner. Aber der Kunstmarkt ist in seinen Spitzen schon grotesk. Die Verteilung der Aufmerksamkeit ist sehr zugespitzt.“ Er sieht die Aktion als Kunstmarktpolitik im weitesten Sinne. Wobei ihm klar ist: „Wir brauchen den Markt an sich. Er kann nicht nur daraus bestehen, was sich alle leisten können.“
Die Devise ist: Wer sich nur halbwegs für Kunst interessiert, soll auch einen Zugang haben. Schnelle Kaufentscheidungen sind wahrscheinlich angesagt. Eherne Regel bei Sonderangeboten: Sie sind immer schnell weg.

Tipp

ARTmART 25.4.–1.5., Künstlerhaus www.artmart.at M-ars ab 26.4., Westbahnstr. 9, 1070 Wien www.m-ars.at