Die Kuba-Malaise der Bawag hat wenig mit US-Gesetzen und viel mit vorauseilender Servilität eines rückgratlosen Vorstands zu tun.
Die Bawag reitet sich mit ihrer Kuba-Konten-Argumentationslinie („Wir haben einen amerikanischen Eigentümer und müssen deshalb den Helms-Burton-Act, der Geschäfte mit Kubanern verbietet, umsetzen“) immer tiefer in die Malaise hinein, die Verwirrung ist groß. Dabei ist die Lage, nüchtern betrachtet, ganz einfach: Der Helms-Burton-Act verbietet Banken Kundenbeziehungen zu kubanischen Staatsbürgern gar nicht explizit, wie andere US-Banken in Europa ja in der Praxis vorleben. Und selbst wenn er das täte, wäre die Anwendung von US-Gesetzen auf EU-Gebiet definitiv verboten.
Der Hinauswurf der 100 Kubaner aus dem Kundenkreis der Noch-Gewerkschaftsbank hat also weniger mit Helms-Burton als mit John Snow zu tun. Der als Kuba-Fresser bekannte Chef des baldigen Bawag-Eigentümers Cerberus hat sich das also gewünscht. Oder der (in diesem Fall offenbar mit dem Rückgrat eines Gliedertierchens ausgestattete) Bawag-Vorstand hat geglaubt, dass er sich das wünscht – und diesen Wunsch in vorauseilender Servilität gleich exekutiert. Noch dazu ziemlich unbeholfen.
Das Bild ist für eine im SP-Dunstkreis stehende Gewerkschaftsbank (was die Bawag ja noch immer ist) in beiden Fällen denkbar desaströs. Ein selbst verschuldeter Tritt in ein Fettnäpfchen, das zum ausgewachsenen Schmalzkübel mutiert ist. Und wirklich kein Ruhmesblatt für den mit so viel Vorschusslorbeeren bedachten „General“ Nowotny.
(Bericht: Seite 19)
josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2007)