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Rangliste: Goldene Ära für Russlands Geldadel

2006 war das beste aller Jahre für Russlands Milliardäre. Ihr Vermögen wuchs um 36 Prozent. Roman Abramowitsch gilt weiterhin als der Russe mit dem größten Vermögen.

Moskau. Auch die kostspielige Scheidung von seiner Frau Irina, einer Aeroflot-Stewardess, konnte Roman Abramowitsch nicht von der Spitze der russischen Geldrangliste verdrängen. „Roma“, wie ihn Freunde und Feinde nennen, hat im Ranking „Goldene 100“ der russischen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins „Forbes“ erneut und damit das dritte Jahr in Folge Platz eins inne. Das Privatvermögen des Mannes, der in seinem Klub FC Chelsea Fußballstar Michael Ballack zu seinen Angestellten zählt und gerade in Hamburg eine rund 300 Mio. Dollar teure Jacht namens Eclipse bauen lässt, wird auf 19,2 Mrd. Dollar taxiert.

Russlands Reiche haben das beste aller Jahre hinter sich. Das kumulierte Vermögen der 100 wohlhabendsten Russen stieg binnen eines Jahres von 248 auf 337 Mrd. Dollar. Das Durchschnittseinkommen liegt in Russland bei rund 400 Dollar. Und während das Bruttoinlandsprodukt um 6,8 Prozent zulegte, wuchs das Vermögen der Superreichen um 36 Prozent.


Klare Spielregeln

Die Ära Putin ist für Russlands Geldadel ein goldenes Jahrhundert – mit Ausnahme derjenigen, die in Ungnade fielen wie etwa der ehemalige Ölbaron Michail Chodorkowskij, der in der sibirischen Stadt Tschita seine achtjährige Lagerhaft verbüßt. „Die Spielregeln sind mehr oder weniger klar – strecke nicht den Kopf heraus, zeige so etwas wie soziale Verantwortung, mache Deals mit den richtigen Leuten, und alles wird gut. Insofern hat sich Russlands Wirtschaft stabilisiert“, sagt Kirill Vischnepolski, stellvertretender Chefredakteur von Forbes Russia.

Die Rangliste bietet tatsächlich einen Spiegel des ökonomischen Geschehens in dem Land, dessen Wirtschaft das neunte Jahr in Folge wächst. Zwar verdienen die zehn reichsten Männer des Landes ihr Geld mit Rohstoffen, allen voran Öl, Gas, Aluminium, Stahl. Dennoch drängen in die Geldrangliste immer mehr Unternehmer vor, die vom boomenden Konsumentensektor profitieren. Die Verstaatlichungspolitik im Rohstoffsektor wird auch auf der Liste deutlich. Verdienten noch 2004 insgesamt 41 der 100 reichsten Russen ihr Geld mit Öl und Gas, sind es heute 18.


Bankiers als Aufsteiger

Die Gewinner des Jahres kommen aus dem Bankensektor. Unter den 13 Neueinsteigern in den Top 100 sind sechs Bankiers. So konnte der einstige Spirituosen-Importeur Rustam Tariko sein Vermögen trefflich mehren, genauer gesagt auf 5,5 Mrd. Dollar verdoppeln. Tariko, der den ersten Maybach in Russland kaufte, ist Eigentümer der Bank Russkij Standart.

„Tarikos Aufstieg steht für den Trend des Jahres: Weg von Petrodollars hin zu Wachstumsbranchen. Die Unternehmer finden neue Betätigungsfelder für ihre Investitionen, was sich positiv auf die Wirtschaftsentwicklung auswirkt“, so Vischnepolski.

Wer es unter die Top 10 in diesem Jahr schaffen wollte, musste wie Viktor Vekselberg 10,7 Mrd. Dollar mitbringen. Für einen Platz unter den 100 Reichsten waren diesmal 660 Mio. Dollar nötig, 210 Mio. Dollar mehr als noch 2005. In Russland gibt es Schätzungen zufolge zwischen 100.000 und 400.000 Dollarmillionäre. Russlands Reiche sind jung. Das Durchschnittsalter der Top 100 beträgt 45 Jahre. Zum Vergleich: Auf der Weltrangliste von Forbes lag das Durchschnittsalter bei 62 Jahren. Das Geld in Russland stammt aus den neunziger Jahren, als eine ganze Volkswirtschaft im Zuge von Insidergeschäften privatisiert wurde, von denen einige wenige profitierten.


Wie kommt man an die Spitze?

Was braucht man, um reich zu werden? „Man muss Beziehungen haben, viel arbeiten, stehlen und ein Profi sein“, fasste die Zeitung „Vedomosti“ eine Umfrage unter 1500 Russen zusammen. 45,1 Prozent glauben, dass ohne Beziehungen in die höchsten politischen Kreise nichts geht.

Inline Flex[Faktbox] REICHE RUSSEN: Stahl macht oft steinreich

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2007)