. . . war einmal. Wilhelm Molterer wird nun bunt.
Es gibt wohl nur wenige Politiker, die in den vergangenen Jahren solch einen Image-Wandel mitgemacht haben wie Wilhelm Molterer.
Denkt man an den schwarzen Vizekanzler, sieht man zuerst die Farbe grau: grauer Bart, graue Haare, grauer Anzug. Und auch seine Art, Politik zu machen, verdient weitgehend das Attribut grau.
Das soll nun anders werden. Wilhelm Molterer – und mit ihm seine Partei – wird bunter. Doch bei genauerer Betrachtung erkennt man: Das war er ja schon einmal. Als Landwirtschaftsminister galt Molterer als fortschrittlicher, weltgewandter Liberaler. Er nahm jene Rolle ein, die heute Josef Pröll spielt. Als Studentenvertreter war Molterer sogar des Linksabweichlertums überführt worden, hatte er doch die Gesamtschule propagiert, das Bundesheeres abschaffen wollen und öffentlich Zweifel an der Gerechtigkeit des auf Privateigentum beruhenden Wirtschaftssystems geäußert.
Aus dem kecken Linkskatholiken war bald ein pragmatischer Vertreter des Bauernstandes geworden. Das Fortschrittliche an ebendiesem hervorzuheben, war aber stets ein großes Anliegen des Agrarministers Molterer geblieben.
Doch dann kam die Wende – und Wilhelm Molterer wurde grau. Vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung. Das „Moltofon“ wurde zum Synonym für jene verbissene Machtpolitik des ÖVP-Klubchefs, die er im Auftrag seines Herrn Wolfgang Schüssel im ORF und anderswo praktizierte.
Nun scheint dies alles vergeben und vergessen. Jetzt, da der „Willi“ wieder bunter wird.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2007)