Spekulationen über eine italienisch-französische Banken-Ehe verdichten sich, die Aktienkurse schießen nach oben.
Wien/Paris/Mailand. Im Jahr 2005 hatte die Mailänder Großbank UniCredit die HypoVereinsbank samt BA-CA gekauft. Jetzt dürfte UniCredit-Chef Alessandro Profumo an einem noch weit größeren Deal arbeiten. Laut Agenturmeldungen könnte es zu einer Fusion von UniCredit und der französischen Société Générale kommen. Spekuliert wird darüber schon länger, jetzt laufen offenbar Gespräche zwischen Profumo und dem Chef der Société Générale, Daniel Bouton. Offiziell verweigerten die beiden Banken jede Stellungnahme.
Die Verhandlungen befinden sich zwar noch in einem frühen Stadium, sorgten aber am Freitag dennoch für Aufregung an den Aktienmärkten. Der Kurs der Société Générale-Aktie schoss im Tagesverlauf um bis zu zwölf Prozent nach oben, auch die UniCredit-Aktie legte deutlich zu. Die französische Notenbank, die einen derartigen Deal genehmigen muss, ist dem Vernehmen nach am Freitag-Nachmittag zu einer Sitzung zusammengetroffen.
Nach Meinung von Analysten würde die italienisch-französische Banken-Ehe durchaus Sinn machen. Profumos Vision ist es, eine große Europa-Bank schaffen. Nach der Übernahme der HVB ist er in Italien, Deutschland, Österreich und Osteuropa bereits ein gewichtiger Spieler, eine Erweiterung Richtung Westen wäre daher naheliegend. Gemeinsam wären die beiden Banken, die an der Börse jeweils deutlich mehr als 70 Mrd. Euro „schwer“ sind, ein paneuropäischer Bankenriese, der auch von den ganz Großen der internationalen Finanzszene kaum noch zu übernehmen wäre.
Analysten der Credit Suisse haben bereits ausgerechnet, dass eine Übernahme der Société Générale durch die Italiener diesen binnen drei Jahren Mehreinnahmen bzw. Kosteneinsparungen in Höhe von 2,1 Mrd. Euro brächte. Auch geschäftspolitisch würde der Mega-Merger für Profumo Sinn machen. Die Franzosen sind in den USA stärker vertreten als die Italiener und haben im Investmentbanking eine deutlich bessere Position als die UniCredit.
Gegenoffert der BNP möglich
Sollte aus dem Flirt zwischen Mailand und Paris tatsächlich mehr werden, müsste es wohl ein Deal unter gleichberechtigten Partnern sein. Eine feindliche Übernahme wäre chancenlos. Für die Franzosen wäre es dennoch problematisch, dass eine ihrer größten Banken unter italienischen Einfluss gerät. Bisher haben die Franzosen bei allen ihren großen Konzernen jeden ausländischen Übernahmeversuch abgewehrt. Dem Vernehmen nach bereitet die Großbank BNP Paribas deshalb bereits ein Gegenangebot für den Fall vor, dass die UniCredit tatsächlich ein Übernahmeoffert für die Société Générale legt. Schon vor Jahren hatte BNP-Chef Michel Péberau versucht, die Société Générale zu übernehmen. Damals war der Deal gescheitert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2007)