Billiger Lachschlager

Die Österreicher und ihr Einkommen: ein einziges Psychodrama.

Vorige Woche hat der Rechnungshof wieder einmal einen grandiosen Heiterkeitserfolg gelandet: Mit der Veröffentlichung der Zulagenliste im Öffentlichen Dienst.

Eine Vorurteile erzeugende Liste: Suggerieren doch die 600 als ständige Gehaltsbestandteile ausgezahlten Zulagen – von der Unterwasserzulage für Taucher bis zur Flugzulage für den ständigen Flugdienst – dass die Damen und Herren ihr Grundgehalt für die Gnade ihres bloßen Erscheinens am Arbeitsplatz bekommen. Und sich jeden sonstigen Handgriff extra bezahlen lassen.

Das ist natürlich Unsinn. Aber: Wieso riskiert der Dienstgeber Öffentliche Hand dieses Bild? Wieso zahlt er seine Taucher nicht gleich so, dass sie auch ohne Zulage abtauchen? Nur, damit einige Dinos von der Beamtengewerkschaft weiter das Märchen verbreiten können, die Pragmatisierung sei der Ausgleich dafür, dass die Beamten viel weniger verdienen als privat Beschäftigte?

Die Erklärung dürfte universeller sein: Wir befinden uns in Österreich. Da gilt: Wer mehr verdient, hat das nicht seiner Leistung zu verdanken. Sondern dem Umstand, dass er es sich irgendwie (Partei, Freunderl, Studentenverbindung) gerichtet hat.

Man versteckt sein Einkommen also lieber. Auch in der Privatwirtschaft sind ja 14 Gehälter für zwölf Monate Arbeit (erhöht das Monatseinkommen versteckt um 16,6 Prozent) üblich. Manchmal auch 15 (macht 25 Prozent mehr) oder 16, womit das Gehalt dann gleich um ein Drittel höher ist, als am Lohnzettel aufscheint). Legendär war ja jener Wiener Messedirektor, der sich seine Jahresgage gleich in 21,5 „Monatsgehältern“ auszahlen ließ. Da sieht der Lohnzettel gleich viel sozialverträglicher aus.

Wie auch immer: Das Verhältnis des Österreichers zu seinem Einkommen ist ein einziges Psychodrama. Und braucht wohl dringend Entkrampfung.

Weil wir gerade beim Einkommen sind: Die einzige Branche mit bedingungslosem Grundeinkommen (produktionsentkoppelte Direktzahlungen heißt das dort), die Landwirtschaft also, demonstriert gerade wieder, welche Einstellungen Dauersubventionen auslösen: Ex-Agrarkommissar Franz Fischler hat kürzlich in einem Interview beklagt, die Bauern seien „sehr zurückhaltend“ beim Abschluss von Lieferverträgen für Energiepflanzen. Und zwar deshalb, weil das zusätzliches Einkommen generiert – und solcherart den Abbau von Förderungen begünstigen könnte.

Da bleibt einem freilich der Mund offen. Nur eine Frage: Wie nennt man in der Bauernbündler-Partei doch gleich jene Arbeitnehmer, die auf Arbeitsangebote „sehr zurückhaltend“ reagieren, weil sie dadurch um die „Stütze“ umfallen könnten?


josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2007)


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