Globalisierung: Leistungsbilanz: 2006 Rekordüberschuss von 8,2 Milliarden Euro

Österreich entwickelt sich zum Kapitalexporteur, heimische Aktien waren im Ausland im Vorjahr gefragt wie nie zuvor.

Wien (dom). Mit 8,2 Mrd. Euro oder 3,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreichte Österreich 2006 den höchsten Leistungsbilanzüberschuss seiner Geschichte. Die Zahlen zeigen laut Klaus Liebscher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), wie sehr Österreich von der europäischen Integration und der Globalisierung profitiert. Zum Vergleich: Noch 1999 wies die Leistungsbilanz ein Defizit in Höhe von 3,2 Prozent des BIP auf.

Dienstleistung immer wichtiger

Zum wichtigsten Devisenbringer haben sich laut OeNB-Direktor Peter Zöllner in den vergangenen Jahren die Dienstleistungen entwickelt. Der Überschuss betrug in diesem Bereich im Vorjahr mehr als zehn Mrd. Euro. Knapp sechs Mrd. Euro davon entfielen auf den Reiseverkehr, vier Mrd. Euro auf die übrigen Dienstleistungen. Trotz der EU-Präsidentschaft und des Mozartjahres legten die Reiseverkehrseinnahmen nur um 3,1 Prozent zu, während die Österreicher für Auslandsreisen um 8,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor ausgaben.

Österreichs Position im Handel mit Dienstleistungen ist besser als im Warenhandel. Bei Warenexporten belegen wir laut Welthandelsorganisation WTO weltweit Platz 23, bei Importen Platz 21. Unter den Exporteuren von Dienstleistungen (inklusive Tourismus) rangiert Österreichs auf Platz 19, bei Importen auf Platz 18. Die größten Überschüsse gibt es im Transithandel, in Forschung und Entwicklung sowie bei technischen Dienstleistungen.

Großes Handelsdefizit mit China

Unter den wichtigsten Handelspartnern Österreichs belegen Deutschland und Italien seit Jahren die Spitzenpositionen. Nach der Ostöffnung gewannen die Handelspartner in Mittel-, Ost- und Südosteuropa kräftig an Bedeutung. Bemerkenswert ist laut Zöllner auch, dass die Exporte in die USA trotz des zuletzt schwachen Dollars boomen.

Kein „Mauerblümchen“ mehr

China hat sich unter den Lieferanten Österreichs binnen weniger Jahre von Platz 13 auf Rang vier vorgeschoben. Österreichs Handelsdefizit mit der Volksrepublik beträgt 2,5 Mrd. Euro und ist das zweithöchste nach dem Defizit im Warenverkehr mit Deutschland.

Laut Zöllner hat sich Österreich in den vergangenen Jahren vom „Mauerblümchen“ zu einem ernst zu nehmenden Akteur auf den internationalen Kapitalmärkten entwickelt. 2006 erreichte das Volumen der grenzüberschreitenden Kapitalströme mit 160 Mrd. Euro einen neuen Rekord. Österreichs Veranlagungen im Ausland übertrafen mit 82 Mrd. Euro jene des Auslands in Österreich, die 75 Mrd. Euro ausmachten. Damit hat Österreich zum fünften Mal in Folge netto Kapital exportiert. Bei den Direktinvestitionen gab es per Saldo im Vorjahr eine Atempause.

Einen Rekordwert erreichte im Vorjahr mit 6,8 Mrd. Euro hingegen die Nachfrage des Auslands nach heimischen Aktien. Maßgeblich dafür waren laut Zöllner der Börsegang der Österreichischen Post, große Kapitalerhöhungen (Erste Bank und diverse Immobiliengesellschaften) sowie generell die ausgezeichnete Entwicklung des Wiener Aktienmarktes. Die Österreicher kauften 2006 für 1,6 Mrd. Euro ausländische Aktien, deutlich stärker war mit 4,7 Mrd. Euro hingegen die Nachfrage nach ausländischen Investmentfonds.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2007)

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