Das Urteil in der Turin-Causa hat Folgen: Haben sechs Österreicher gedopt, oder haben Italien, IOC und Wada fatale Fehler begangen?
Wer an einer Sportveranstaltung teilnimmt, muss gewisse Regeln akzeptieren. Allerdings sollten diese vorab klar sein. Vor allem: Was ist Doping und was nicht? Reicht tatsächlich allein der Verdacht, etwa der Fund von gebrauchten Spritzen, Blutbeuteln etc. – ohne einen positiven Befund zu entdecken? Oder ist der Österreicher nur zu naiv, weil er nicht wahrhaben will, was Italiens Staatsanwaltschaft, IOC und die Antidoping-Agentur Wada über Langläufer und Biathleten behaupten in der Turin-Causa: dass sechs Österreicher gedopt haben, die daher lebenslang für Olympische Spiele gesperrt wurden.
Ist Österreich nicht „a too small country to do good doping“, wie es ÖSV-Präsident Schröcksnadel formulierte? Oder liefen seit Jahren tatsächlich blutbehandelnde Maßnahmen auf organisierter Basis, die aufgrund unvorstellbarer Dummheit wiederholt und bei den Spielen in Turin 2006 aufgedeckt wurden? Es gilt zu bedenken: Eigenblut-Transfusionen sind nicht nachweisbar, auch Mikro-Dosen des Blutpräparates EPO sind es nicht.
Liegt ein Vergehen vor und ist das IOC-Urteil gerecht, müssen Köpfe rollen, egal welche Verdienste die involvierten Athleten, Trainer, Ärzte und Präsidenten aufzuweisen haben. Ob aber wirklich gedopt worden ist, wird nie klar sein – denn für dieses Urteil reichte schon der bloße Verdacht. Das ist durch den Anti-Doping-Code gedeckt, weshalb man sich fragen muss, ob solche Urteile nicht bisweilen dem Sport größeren Schaden zufügen als das Doping selbst. (Bericht: Seite 30)
markku.datler@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2007)