Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Tallinn: Blutige Unruhen um Sowjet-Denkmal

In der estnischen Hauptstadt starb ein Mann bei Krawallen im Zuge der Demontage eines sowjetischen Kriegerdenkmals.

In der estnischen Haupstadt Tallinn ist es Donnerstag Abend bei der Demontage eines sowjetischen Kriegerdenkmals zu Krawallen gekommen. Ein Mann starb, mehr als 40 wurden verletzt und über 300 Personen wurden festgenommen. Der Tote ist nach estnischen Angaben ein 20-Jähriger Mann mit russischem Vornamen, der bei den Tumulten eine Stichverletzung erlitten hatte. Wie es dazu kam, ist derzeit ungeklärt.

Der russische Senat empfahl als unmittelbare Reaktion auf die Ereignisse in Tallin Präsident Wladmir Putin den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Estland.

Die rund zwei Meter hohe Bronze-Statue eines Sowjet-Soldaten wurde noch in der Nacht entfernt. Ein Grund für den Beschluss: Der Ort soll Sammelplatz anti-estnischer Parolen geworden sein. Estlands Regierung sagt außerdem, das Zentrum Tallins sei kein passender Ort für Leichen, denn unter dem Denkmal werden die Überresten sowjetischer Gefallener vermutet.

Vorwand für "Jugendbanden"

Ein Regierungssprecher begründete das harte Durchgreifen bei den Krawallen damit, dass die Figur als Vorwand für "Jugendbanden" gedient habe, Vandalenakte in der Innenstadt zu begehen. Die Entscheidung sei im Interesse der Nationalen Sicherheit geschehen, hieß es. Das Denkmal wurde an einen geheimen Ort gebracht und ist laut Regierung im Gewahrsam der Polizei.

Die Auseinandersetzungen hätten begonnen, als Demonstranten Polizisten mit Steinen und Flaschen beworfen und ein Auto umgestürzt hätten, berichtete die Polizei. Diese setzte nach eigenen Angaben Blendgranaten und Wasserwerfer sowie nach Berichten von Augenzeugen auch Tränengas ein.

Russischer Protest

Die Demontagearbeiten an dem Denkmal hatten in der Früh ungeachtet scharfer russischer Proteste begonnen. Das Vorhaben der Regierung in Tallinn, das aus dem Jahr 1947 stammende Kriegerdenkmal zu verlegen, ist umstritten. Im Bereich des Denkmals sind vermutlich Dutzende gefallener Soldaten begraben, die exhumiert werden sollen.

Russland wirft Estland unter anderem vor, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs umschreiben zu wollen und die Rolle der Sowjetunion beim Sieg gegen die Nationalsozialisten herab zu würdigen. Weitere Vorwürfe gegen die Esten: Nazi-Sympathie und Faschismus. Die Umbettung von Soldaten, die Europa gegen die Nazis verteidigt hätten, sei schändlich.Russlands Vizepremier Sergej Iwanow hatte am Donnerstag sogar Wirtschaftssanktionen gegen Estland in den Raum gestellt. (Ag./Red)