„Beim Start bekomme ich Gänsehaut“

Vienna City Marathon. Veranstalter Wolfgang Konrad über Wünsche und Ziele des Lauf-Hits, wobei er am liebsten die komplette Zeitnehmung verbieten würde. „Es geht ums Ankommen!“

Die Presse: Wien-Marathon 2007 – was erwarten Sie als Veranstalter von diesem Rennen?

Wolfgang Konrad: Ob es ein Lauf der Rekorde wird, wissen wir noch nicht, das sehen wir erst am Sonntag. Aber wir haben so viele Teilnehmer wie noch nie, das zeigt, dass Positionierung und das Produkt Vienna City Marathon passen.

Ist es nicht auch Folge des Termins?

Konrad: Ja, das spielt sicherlich mit. Ein Mai-Termin ist nicht immer optimal, April anscheinend schon. Aber die psychologische Schwelle der Läufer ist oft das einzig entscheidende Argument.

Ein Marathon lebt von Lokalmatadoren, der Stimmung neben der Strecke, von Heimsiegen. Gewinnt heuer Susanne Pumper?

Konrad: Das wäre schön, es würde unserem Laufsport sehr helfen, wenn die Susi gewinnt. Es geht ja um Heroes, die muss man haben.

Wo sind der Hartmann, Wenisch oder Buchleitner der Zukunft?

Konrad: Läufer vom Format eines Buchleitner sehe ich lange nicht, leider. Aber ich sehe irgendwann Günther Weidlinger auftauchen.Ich weiß, dass er bis Olympia 2008 die Karriere verplant hat. Für danach empfehle ich ihm Marathon!

Hat die Veranstaltung schon den Zenit erreicht, sowohl aus sportlicher als auch wirtschaftlicher Sicht?

Konrad: Eine böse, aber berechtigte Frage. Für mich geht es darum, wie definiere ich mich? Wenn ich mit nur mit Teilnehmern definiere, sehe ich irgendwo ein Limit, das haben wir schon überschritten, weil beim Marathon ja nicht mehr so viele starten wie in der Vergangenheit. Aber mir geht es um das Gesamtpaket: Wir haben gute Leistungen, viel Rundherum, einen irren Bereich für Business to Business. Der Marathon ist für uns alle auch ein Geschäft geworden.

Ein millionenschweres Geschäft – für Sie und die Stadt Wien.

Konrad: Es kommen 4500 Läufer aus dem Ausland – mit Begleitpersonen! Es wurden Ausgaben von 300 € pro Kopf ausgerechnet!

An welchen Marathon haben Sie die besten Erinnerungen?

Konrad: An den im Vorjahr – da gab es Streckenrekord, dazu lief Pumper Rekord. Am Schönsten aber ist es für mich, jedes Jahr beim Start auf die Menge zu schauen, die sich bewegt. Da bekomme ich Gänsehaut, da denk ich mir immer: Geh leck, ist das geil!

Warum läuft in Wien nie ein Superstar wie Haile Gebrselassie?

Konrad: Es würde nichts bringen! Er läuft vorne weg, das war's. Haile wird nie in Wien laufen, da spielen zu viele Faktoren, zu viel Geld mit. Sagen Sie mir ein Tennisturnier, wo nur der Nadal gegen Österreicher spielt? Wen interessiert das? Es ist doch schöner, wenn ich in ein geschlossenes Rennen habe und ab Kilometer 35 beginnt die Ausscheidung. Es ist Dramatik pur.

Welche Wünsche soll Ihrer Meinung nach der Marathon erfüllen?

Konrad: Es müssen am Abend alle sagen: Schön war's, ich komme wieder. 25.000 Menschen, davon 4000 Kinder, sollen Spaß haben.

Ist der Lauf-Boom tatsächlich weiterhin so ungebrochen?

Konrad: Das Marathon-Interesse ist schon zurückgegangen. Wir müssen Marathon auch neu definieren für uns und weggehen vom blanken Leistungsdenken. 1999/2000 war's verrückt, da hat jeder trainiert mit Plänen und Diagnostikern, aber in Wahrheit vergessen, worum es geht: Den Spaß am Laufen. Damit haben wir die Szene zu Tode trainiert! In Wahrheit müsste man Marathon ohne Zeitnehmung laufen. In Amerika fragt dich keiner nach der Zeit, Hauptsache du bist durchgekommen.

Inline Flex[Faktbox] MARATHON IM DETAIL("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2007)

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